Zunächst eine Begriffsklärung:
Henkelbecher ohne Deckel werden auf Englisch meist MUG genannt. Mit Deckel TANKARD.
MUGS
Bierhumpen aus Silber werden seit dem 17. Jahrhundert bis heute produziert. Das Angebot ist weit gefächert. Ganz schlichte Formen, verzierte Versionen und sogar welche mit Münzen drauf. Von wenigen 100 € bis weit in den 5-stelligen Bereich. Wie soll man da "den Richtigen" zum angemessenen Preis finden?
1. Empfehlung: Nehmen Sie ein frühes Original, handgeschmiedet, aus England.
2. Empfehlung: Wählen Sie Ihre Größe.
Es gibt verschiedene Größen, die sich am englischen PINT orientieren. Man bestellt dort im Pub keine "Halbe", sondern ein pint Guinness. 1 pint ist ein bisschen mehr als 1/2 Liter. Die meisten englischen Henkelbecher sind "pint mugs" mit Fassungsvermögen von 450 bis 560 ml.
Die Größe zwischen 350 und 450 ml nenne ich "3/4 pint mugs". Sie passen perfekt zu den 0,33er Flaschen, die sich ja gut eingeführt haben mittlerweile.
Beliebt sind "half pint mugs" mit Fassungsvermögen von 250 bis 350 ml, die auch "ladies mug" genannt werden. Meine Frau kommt aus dem Allgäu und ich bin oft in England. Ich würde also nie als Begründung für diesen Begriff angeben, dass Frauen weniger Bier trinken können.
Aber es sieht einfach eleganter aus in diesen "ladies mugs" ;-)
Für kräftige Männerhände gibt es die seltenen "quart mugs". Letztere fassen 2 pints, also einen guten Liter.
3. Empfehlung: Achten Sie auf den Zustand!
Mit Bierhumpen wird naturgemäß etwas rustikaler umgegangen als mit Puderdöschen. Alles dicht?
Vermeiden Sie nachträgliche Verzierungen!
Oft wurden im Laufe der Jahrhunderte nach Besitzerwechseln Gravuren ausgeschliffen, gerne ein Wappen auf der Frontseite. Nicht schön und ggf. eine dünne Stelle!
TANKARDS
Für tankards gilt grundsätzlich alles, was ich oben zu den mugs geschrieben habe.
Abgesehen vom Insektenschutz durch den Deckel gibt es Größenunterschiede: Die wunderbaren "ladies tankards" haben ein pint Fassungsvermögen. Das reicht mir auch. Sie sind leider nur selten zu bekommen,
Die Standardgröße liegt bei ungefähr 1 Liter. Nach oben geht es dann bis 2 Liter und bei Repräsentationsstücken auch noch weiter. Die sind dann aber für die Vitrine.
"Ladies Tankards"
1786 Daniel Smith + Robert Sharp London
13 cm hoch, 523 Gramm schwer und 1 pint Fassungsvermögen
Eleganter "ladies tankard" aus dem früheren Besitz eines Earls.
Die Qualität ist entsprechend, der Zustand Top! Innen vergoldet.
1950 €
Große Tankards
1681 Peter Monger London
ca. 17 cm hoch, 902 Gramm schwer und mit einem Fassungsvermögen von fast 1,5 Litern.
Bei einem 345 Jahre alten Deckelhumpen gilt es immer ein paar Dinge zu beachten in Bezug auf den Zustand.
Hier ist es aus der Zeit der Herstellung und auch noch wunderbar scharf.
Es gehört der Familie Bradshaigh, also den Barnets von Haigh, wohnhaft in Haigh Hall, in der Grafschaft Lancashire. Das Zertifikat enthält die Details. Haigh Hall sehen Sie auf dem vorletzten Foto.
Dieser Humpen ist ein museumswürdiges, großes Exemplar und ein Highlight jeder Sammlung.
Gleichzeitig aber „täglich“ nutzbar ;-)
7850 €
MUGS
"Ladies Mugs" / half pint mugs
1714 John Wisdom London
ca. 9 cm hoch und 255 Gramm schwer. Fassungsvermögen 350 ml.
Über 300 Jahre alt!
1395 €
1803 Peter, Ann + William Bateman London
10 cm hoch, 219 Gramm und 280 ml Fassungsvermögen
795 €
Pint Mugs
1752 Thomas Parr London
ca. 12 cm hoch, 378 Gramm schwer und mit einem Fassungsvermögen von rund 500 ml.
1250 €
1763 William Grundy London
13 cm hoch, 409 Gramm schwer und 560 ml Fassungsvermögen
Erstklassiger und vollwertiger Pint Mug aus der 400 Gramm-Liga!
1350
Quart Mugs
1684 John Crutall London
13 cm hoch, 473 Gramm schwer und 0,9 Liter Fassungsvermögen
Becher und Humpen aus dem 17. Jahrhundert sind naturgemäß selten zu bekommen. Aber so ein feiner, großer, schwerer Humpen aus der Zeit von "Restaurationskönig" Charles II. von England - dem Namensvorläufer des heutigen Königs - ist ein echtes Highlight!
Top-Zustand, ohne Ausschleifungen, aber mit den authentischen Heiratsbuchstaben des (verm.) ersten Besitzers auf Griff und Boden.
Achtung: Das ist kein Deckelhumpen, bei dem der Deckel fehlt. Das ist ein so gefertigter, extrem seltener mug!
Erfreulich klare Punzen (einschließlich Griff) und identifiziertem Meister. Das ist auch selten, denn eine sytematische Erfassung der Klarnamen der verantwortlichen Meister erfolgte erst wieder ab 1697.
Museumswürdig!
4500 €