Stilrichtungen und Zeitgeschmack

Aus frühen Zeiten - vor dem 17. Jahrhundert - gibt es naturgemäß nur sehr wenig "überlebendes" Silber. Von 880 Werken aus der Inventarliste der Schatzkammer von Heinrich VIII existiert nur noch ein einziges: Der Royal Gold Cup im British Museum. Und der ist aus Gold und eigentlich Franzose.

Es gibt eine Inventarliste von 1601 aus Hardwick Hall, einem der großen alten Herrenhäuser in England. Die meisten der dort aufgeführten Möbel und Bilder gibt es heute noch. Von den dort gelisteten Silberwaren existiert kein einziges mehr. Typisch!


3 Hauptgründe gibt es, warum zu allen Zeiten Silber eingeschmolzen wurde:

1) Tafelsilber wurde in schweren Zeiten "versilbert", also zu Münzen umgeschmolzen. Oft auf Anweisung der Herrscher, um die Kriegskassen zu füllen.

2) Die Stücke waren aus der Mode gekommen und wurden zu modernem Tafelsilber umgearbeitet. Die alten Sachen waren vom Design her einfach nicht mehr "En Vogue". Man wollte aber zeigen, dass man sich Silber "nach dem letzten Schrei" (dernier cri) leisten konnten. Die gewählten französischen Begriffe sind kein Zufall: Paris war für die Engländer fast immer das große Vorbild bei Stil und Etikette.

3) Die Zeiten hatten sich einfach geändert. So spielten z.B. Salieren / salts im 16. JH eine große gesellschaftliche Rolle, als Salz noch teuer war. Da stand ein großer Salzbehälter beim Gastgeber und für die Anerkennung war es wichtig, als Gast nicht zu weit "below the salt" zu sitzen. Sonst war man nicht "worth one`s salt". Später stand bei jedem Gast ein kleines Salzschälchen. Noch später nur noch ein Salzstreuer für alle auf dem Tisch.

Somit findet man heute aus der Zeit bis einschließlich 16. JH vor allem Kirchensilber und alte Löffel.

Aus dem 17. Jahrhundert ist die Auswahl auf dem Markt schon ein bisschen größer. Vor allem porringer (Becher mit 2 Henkeln) in allen Größen, tazzas (Tabletts auf Mittelfuß), Tabakdosen, tankards (Bierhumpen) und andere Trinkgefäße.


Die Bedeutung von repräsentativem Tafelsilber in früheren Jahrhunderten - als Zeichen von Stand und Wohlstand - wird wunderbar deutlich durch einen Eintrag in einem der wichtigsten kulturhistorischen Dokumente über das 17. Jahrhundert in London - dem Tagebuch des Samuel Pepys.

Am Abend des Jahres, in dem das "Great Fire" halb London zerstörte und gerade ein Jahr nach der verheerenden Pest, bilanziert er am 31. 12. 1666:

"Die öffentlichen Angelegenheiten in einem höchst traurigen Zustand; die Seeleute durch fehlende Löhnung entmutigt ... kann nächstes Jahr keine Flotte auslaufen. Unsere Feinde, die Franzosen und Holländer, obenauf und werden es noch mehr durch unsere Armut. Das Parlament im Rückstand mit der Gelderhebung ... der Wiederaufbau der City immer weniger wahrscheinlich ... Ein unverbesserlicher, lasterhafter Hof, und alle vernünftigen Männer dort in Angst vor dem Zusammenbruch des ganzen Königreichs im nächsten Jahr, wovor Gott uns bewahren möge!

Etwas Bemerkenswertes an meiner Lage ist, dass ich jetzt so eine Fülle an gutem Tafelsilber habe, dass bei allen Gastlichkeiten ganz auf Silbertellern serviert werden kann, ich habe zweieinhalb Dutzend."

Also: geht die Welt auch unter, genießen wir unser schönes Tafelsilber ;-)

Im späten 17. JH kamen dann die ersten Tee- und Kaffeekannen dazu. Den Tee verdanken die Engländer auch der Ehefrau von Charles II (1660-1685), Katharina von Braganza aus Portugal. Der Legende nach antwortete ihr Mann auf die Bitte nach einer Tasse Tee "We don`t drink tea in England. But maybe some ale will do?"

Da musste sie wohl aktiv werden ...


Englisches Silber und Antiquitäten im Allgemeinen werden gerne sortiert nach den "Dienstzeiten" der Königinnen und Könige. Man spricht also vom Viktorianischen Silber  (1837 - 1901) oder von Edwardian Möbeln (1901 - 1910). Nun hielten sich die Damen und Herren Monarchen mit ihren Regentschaftszeiten und den diese beendenden Todesdaten leider nicht immer genau an die Stilrichtungen, die gerade "in" waren. Deshalb ergänzt man noch Stilrichtungen wie z.B. das erste/französische Rococo von ca. 1735 - 1765 (es gab ein 2. Rococo im frühen 19. JH) oder die Chippendale-Periode bei den Möbeln (ca. 1760 - 1780).


Queen Anne  (1702 - 1714)

war Namensgeber für den sog. Queen Anne Stil - allerdings wird der Begriff verwirrend gebraucht für verschiedene Stilrichtungen zu verschiedenen Zeiten in Architektur und Decorative Arts. Details erspare ich uns hier. Bei Silberwaren wird der Begriff meist dann verwendet, wenn diese solche "Rippenverzierung" haben.


In ihre Amtszeit fiel 1707 der Act of Union, der offizielle Zusammenschluss von England und Schottland. Somit war sie die letzte englische Königin und das erste Oberhaupt des United Kingdom, des Vereinigten Königreiches Grossbritannien. Sie starb 1714 im Alter von 49 Jahren als letzte aus der Dynastie der Stuarts, denn trotz 18 Schwangerschaften (!!) mit vielen Fehl-und Totgeburten hinterließ sie keine Nachkommen. Heute unvorstellbar - und das bei Königs!


Man verbindet zwar den "Rippenstil" mit ihrem Namen, aber vor allem wurde Silber zu ihrer Zeit sehr schlicht gehalten. Abgesehen von einer eingesprenkelten Rococo-Periode kann man sagen, dass bis etwa 1770 puristische Formen vorherrschten. Es ging primär um stabile und funktionale Produkte, die nicht zu viel Material und Arbeit erforderten und von den damaligen Silberschmieden mit ihren einfachen Mitteln (ohne Maschinen!) gefertigt werden konnten.


Nach dem Tod von Queen Anne passierte etwas ziemlich skuriles: Die Engländer wollten unbedingt die Thronbesteigung eines Katholiken verhindern. Um einen Protestanten in der Erbfolge zu finden, beriefen sie einen Ausländer auf den Thron, der kaum ein Wort Englisch konnte, nicht in England leben wollte und auf der Thronfolgeliste unter "ferner liefen" (Platz 58) geführt wurde. Das nennt man wohl Pragmatismus ...

Nach ihm, dem Hannoveraner, und seinen Nachfolgern wird das Georgian Silver benannt:


George I  (1714-1727)  


Designtechnischer Höhepunkt dieser Zeit waren sicherlich die hexa- und oktagonalen Arbeiten. Sie sind sehr schwierig auszuführen und brauchen viel Material. Kein Wunder also, dass sich schon bald die runderen Formen durchsetzten.


George II  (1727-1760)

Diese Zeit gilt als eine der Hochzeiten in der Silberkunst. Die letzten "reinen" Handarbeiten vor der Industrialisierung, gesponsert von reichen Herren, ausgeführt in den besten Werkstätten, angeführt von - nach der Aufhebung des Verdict von Nantes aus Frankreich vertriebenen -hugenottischen Handwerkern. Auch hier herrschten noch puristische Formen vor, wenn auch zunehmend mit meist dezenten Verzierungen - aber bis hin zum Rococo.


Einschub Stilrichtung: Rococo (1735-60) und Rococo Revival (1830-50)

Eingebettet in die Regentschaftszeit von George II war von etwa 1735 bis 1760 die 1. Rococo-Periode, auch "französisches Rococo" genannt. Verzierungen von dezent bis verrückt. Vor allem letztere gefielen nicht jedem und führten zu erbitterten Debatten. 

Im 2. Viertel des 19. JH hin gab es eine Renaissance des Rococo. Dieses "2. Rococo" wird auch Neo-Rococo oder Rococo Revival genannt.

Sie sehen auf dem rechten der beiden folgenden Fotos ein schönes Exemplar von 1835. Typisch für die Verzierung des "2. Rococo": symmetrisch, harmonisch. 

Links daneben ein Detail vom salver von 1747 (abgebildet in Bildergalerie Rococo unten): Das für "französisches Rococo" typische "Chaos" - das Nebeneinander von Muschel (links), geometrischen Einlagen (Mauer mitte) und den kleinen Rosen mit den dichten Blättern.


Achtung: Im 19. JH wurden auch viele schlichte Stücke aus dem 18. JH nachträglich verziert. Manche Händler geben dann an "later chased". Viele aber auch nicht. Darauf sollten Sie achten beim Kauf. Erkennt man oft an viel zu großen Blumen mit offenen Blüten, die man 100 Jahre früher so nie gestaltet hätte.

Aber deshalb kaufen Sie ja im Fachhandel ;-)


Bildergalerie: George II und Rococo (Rococo Revival s.u.)

(Vergrößern durch klicken auf Pfeil oben rechts im Bild und dann blättern)

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George III   (1760-1820)

Mit dem Rococo war es spätestens ab 1770 vorbei. Bis etwa 1805 war dann der englische Neo-Klassizismus die prägende Stilrichtung. 

Im 18. JH war es für junge Männer aus gutem englischen Hause üblich, zum Abschluss der Studienzeit eine lange Reise zu machen. Diese "Grand Tour" führte meist nach Italien / Südeuropa. Auch die Ausgrabungen von Herculaneum und Pompeji schafften ein Bewusstsein für die Formensprache der alten Griechen und Römer.

Neo-Klassizismus beim englischen Silber bedeutet vereinfacht: Aufnahme der Formen und Verzierungen aus der klassischen Antike - von Rom bis Athen. Seien es die Säulen bei den Leuchtern, die Amphoren bei den Kannen oder die Verzierung mit Girlanden. 

Stilprägend war auch der schottische Architekt Robert Adam (1728 - 1792), weshalb manchmal der Begriff "Adam-Style" auftaucht.


Bildergalerie Neo-Klassizismus

(Vergrößern durch klicken auf Pfeil oben rechts im Bild und dann blättern)

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Einschub: Produktionsmethode

Einhergehend mit dem Wechsel der Formensprache gab es in den 1770ern noch einen bedeutenden Umschwung in der Welt des Silbers: Die Produktionsmethode!

James Watt hatte sich die Weiterentwicklung der Dampfmaschine am 5. Januar 1769 patentieren lassen und damit eine weitere Grundlage für die industrielle Revolution gelegt. Dampfmaschinen erlaubten es nun, Silber zu dünnen Platten zu walzen. Um z. B. den Korpus einer Teekanne herzustellen, mußte dieser nicht mehr mit dem Hammer aus der Fläche heraus getrieben werden, sondern man schnitt eine Platte aus, bog diese, lötetet die Enden zusammen, Deckel drauf , Boden drunter und fertig war der Korpus. Schneller, leichter, billiger.

Kerzenleuchter wurden nicht mehr aus viel Material gegossen, sondern aus dünnen Platten gebaut und dann für Stabilität und Standfestigkeit gefüllt mit u.a. Holz, Pech oder Zement.

Was sich nun auf den ersten Blick fast schon verwerflich anhört - zumindest aber nach Untergang der englischen Silberkultur - ist zunächst einmal eine ganz normale Entwicklung in Wirtschaft und Industrie. Wir dürfen als Liebhaber von Antiquitäten nicht vergessen, dass diese i.a.R. nicht für unseren Zweck produziert wurden, sondern zum täglichen Gebrauch. Für möglichst viele Käufer.

Auch durch eine Reduktion der Teesteuer von 119 % auf 12,5 % im Jahre 1784 (die wurde sowieso größtenteils unterlaufen durch Schmuggel) konnten sich immer breitere Kreise Tee leisten und wollten dazu nun auch eine erschwingliche Teekanne aus Silber. Blöd nur, dass die Teesteuer dann durch eine Steuer auf Silber ersetzt wurde, weshalb ab 1784 zusätzlich eine Steuermarke (Kopf George III) gepunzt wurde.

Wir wissen doch: Steuern werden nie abgeschafft. Nur umbenannt.

Erfreulicherweise wurde zunächst ein Teil der gesparten Materialkosten in schöne Verzierungen investiert. Arbeit war billig. Vor allem die Perlenverzierungen an den Rändern, verbunden mit tollen Gravuren der Flächen, aus der Zeit von ca. 1775 bis 1785 gefallen mir.

Von ca. 1785 bis 1795 dominierten die Gravuren ohne Perlenränder. Ganz am Ende des 18. Jahrhunderts wurde es ziemlich schlicht.

Übrigens gab es erst ab etwa 1790 die ersten kompletten Teeservice. Bis dahin war es üblich, die Teile einzeln zu kaufen. Nur ganz wenige komplette Service aus der frühen Zeit sind heute noch zusammen.


Regency

Paul Storr, Rundell, Bridge und der Rest der Band.

In der politischen Geschichte Großbritanniens beschreibt Regency den Zeitraum von 1811 bis 1820. Er beginnt mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den Prince of Wales, Georg August Friedrich von Hannover, den späteren George IV., und umfasst den Zeitraum seiner Regentschaft (englisch: regency) als Prince Regent.

Durch die Stoffwechselkrankheit Porphyrie war sein Vater George III. nicht mehr in der Lage, die Regierung auszuüben. Politisch endete die Regency also mit dem Tod von George III. und der Inthronisierung des Prinzregenten als George IV.

Die Kunstgeschichte beschreibt die Regency als Stilrichtung. Deren Zeitraum weicht von den neun Jahren der Regentschaft ab. Ihr Beginn und Ende wird kunstgeschichtlich verschieden angesetzt und begründet. Eine mögliche Abgrenzung bezieht sich auf die Zeit von 1783 bis 1834. Sie beginnt mit dem Einzug des Prince of Wales in Carlton House und endet mit der Publikation von John Claudius Londons (1783–1843) The Encyclopedia of Cottage, Farm, Villa Architecture.

Als Einstieg finde ich diese Erklärung im deutschen WIKIPEDIA passend.
Für das Silberhandwerk scheint mir der Zeitraum ein bisschen zu großzügig bemessen, ich sehe das „echte“ Regency-Silber tatsächlich in der Zeit zwischen 1810 und 1820, plus/minus ein paar wenige Jahre. Sagen wir Waterloo (1815) plus/minus 10 Jahre.

Man nehme

  • einen reichen, silber-affinen Patron (Prinzregent Georg August Friedrich)
  • begnadete Entwerfer, wie John Flaxmann, Digby Scott und Thomas Stothard
  • erstklassige Silberschmiede, wie Paul Storr, Benjamin Smith und John Bridge
  • lasse sie über einen hochprofessionellen Fachhandel (Rundell, Bridge + Rundell, die Principal Royal Goldsmiths & Jewellers) auf die Kundschaft los …

… und fertig ist der perfekte Sturm.

Paul Storr

Das alles eingebettet in eine Zeit großen Reichtums im britischen Weltreich, mit einem enormen Bedarf an repräsentativem Silber, u.a. für Auszeichnungen im Rahmen der Napoleonischen Kriege.

Allein um den Wiener Kongress herum (1814/15) fertigte Rundell 22 diplomatic snuff boxes für 1000 Guineas (1050 Pfund) pro Stück. Die Bank of England beziffert die Kaufkraft von 1050 Pfund im Jahre 1815 mit über 80000 Pfund heute!

Der Prinzregent selbst orderte zwischen 1810 und 1820 Silber für rund 100000 Pfund bei Rundell. John Bridge besuchte ihn jeden Morgen, um ihm etwas Neues aus der Werkstatt zu zeigen.
Man kann sagen, dass genau um die Schlacht von Waterloo (1815) herum das englische Silberhandwerk einen absoluten Höhepunkt erlebte. Zu dieser Zeit erreichte auch Paul Storr – in seiner Eigenschaft als Werkstattleiter bei Rundell – den Zenit seines Schaffens. 

Buchempfehlung

Storr verließ Rundell im Jahre 1819 und arbeitete noch bis 1838 unter eigenem Namen – weiterhin in erstklassiger Qualität, aber nicht mehr mit diesem Alleinstellungsmerkmal.
Seine legitimen Nachfolger waren John Mortimer und Samuel Hunt (ein Neffe von Paul Storr) sowie nach Mortimers Rückzug ab 1843 dann Hunt+Roskell, die ihre Waren oft kennzeichneten mit „Hunt & Roskell, late Storr & Mortimer“. Sie fertigten bis in die 1850er noch erstklassige Silberwaren, u.a. für Queen Victoria.


Bildergalerie "Regency"

(Vergrößern durch klicken auf Pfeil oben rechts im Bild und dann blättern)

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Rococo-Revival

Auf das Regency folgt zwischen etwa 1825 und 1850 das 2. Rococo, auch Rococo Revival genannt. Die Highlights liegen sicher in der Zeit von William IV (1830-1837) mit einem starken Hang zum Naturalismus. 

The Barnards, Hunt+Roskell oder William Kerr Reid holten sich sicher Ideen aus dem 1. Rococo, entwickelten daraus aber eigene, fantastische Werke.



Viktorianisches Silber

64 Jahre lang, von 1837 bis 1901, war Victoria Königin eines wachsenden Weltreiches, dessen Wohlstand es immer mehr Menschen erlaubte, Tafelsilber zu besitzen. Gleichzeitig führte die Industrialisierung zum Einsatz von Maschinen für eine billigere Produktion von Silberwaren.
Der Kreativität und der Qualität war diese Entwicklung nicht immer zuträglich. In den ersten 20 Jahren Ihrer Regentschaft zehrte man noch von den früheren Entwürfen des Regency und des Rococo-Revival, aber j
e länger das 19. JH dauerte, desto mehr nahm die Gefahr ab, durch die Entdeckung von individueller und origineller Qualitätsarbeit Schnappatmung zu bekommen.


Ich zitiere dazu einfach aus dem Buch "Silber 1880-1940" von Annelies Krekel-Aalberse:
(Das Silberhandwerk) ... wurde alsbald durch eine rasant wachsende Produktion mittels dampfbetriebender, maschineller Hilfsmittel ersetzt. ... (Der Silberschmied) wurde nach und nach zu einem Monteur, der mit Hilfe dampfgetriebener Pressen und Drückbänke routiniert Silbergerät aus einzelnen Teilen zusammensetzte. Viel zeitraubende Handarbeit, wie das Fertigen von hohlen Formen aus der Fläche heraus, war nun Aufgabe der Maschine. ... am Ende des 19. JH gab es nur noch wenige Silberschmiede, die ihr Handwerk wirklich beherrschten. ... Die fabrikmäßige Produktion ist nur ein Aspekt des Kunsthandwerks im 19. JH, viel auffallender ist das Fehlen eines eigenen Stils. Das Imitieren und Kombinieren alter Stile war gängige künstlerische Praxis geworden.

Andererseits ist das viktorianische Zeitalter gerade wegen der Industrialisierung und dem Aufstieg des Vereinten Königreichs zur Weltmacht interessant. Es gibt, wie meist, 2 Seiten der Medaille. Denn Kunst entwickelt sich nicht in Armut. Dazu braucht es Mäzene. Und Kunden.
Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich dieses Standardwerk über viktorianisches Silber.


Ein interessanter Industriedesigner war Christopher Dresser. Mit seinen Entwürfen um 1880 und 1890 herum war er seiner Zeit ein gutes Stück voraus. (Fotos oben links und rechts)

Hier eine kleine Sammlung von durchaus ansehnlichem viktorianischen Design. Dabei wurde schon mal auf Cellini zurück gegriffen oder im Neugotischen Stil (Gothic Revival) produziert.

Viktorianische Bildergalerie
(Vergrößern durch klicken auf Pfeil oben rechts im Bild und dann blättern)

  • Vasenform, beliebt im späten 19. JH_1
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  • 1852 Irish Silver naturalistische Griffe
  • 1859 Martin + Hall
  • 1864 Charles Fox inkstand
  • 1869 Francis Higgins Fischvorleger
  • 1869 Francis Higgins Fischvorleger Detail
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  • 1874 inkstand Lily_1
  • Viktorianische Gebäckdosen
  • Chinese decoration
  • 1873 Stephen Smith tea set
  • 1873 Stephen Smith salver
  • 1874 Elkington Cellini Style



Für alle, die ein bisschen tiefer einsteigen möchten in die Frühzeit des Silbers und mehr wissen möchten zu Georgian Silver und Regency Silver, habe ich hier ein paar

Literaturempfehlungen.

(Vergrößern durch klicken auf Pfeil oben rechts im Bild und dann blättern)

  • ISBN 0952432269
  • ISBN 0670802379
  • ISBN 1555951171
  • ISBN 0946708282
  • ISBN 0571105262
  • ISBN 0907814190
  • ISBN 0571064663
  • ISBN 9780952432296
  • ISBN 9781898565147
  • Gilbert Collection 978-0500014523
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