Hier finden Sie allgemeine Informationen rund um das Thema Silberwaren für Tee und Kaffee.

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Ausschnitt aus einem Bild von Josef von Aken um 1725

Es ist immer wieder interessant, wie die Geschichte Englands sich wiederspiegelt in der Geschichte des Tees dort. Weltgeschichte, Handelsgeschichte, Gesellschaftsgeschichte und die Geschichte des (Industrie-) Designs. Handelskosten, Steuern (und der dazugehörige Vermeidungs-Schmuggel), Standesdünkel - all das beeinflusste den sehr hohen Preis für Tee im 18. Jahrhundert.

Ich möchte der zahlreichen Literatur zu diesem Thema kein weiteres Pamphlet hinzufügen. Einen übersichtlichen und ohne fortgeschrittenes Englischstudium zu lesenden Artikel finden Sie hier:

https://www.tea.co.uk/a-social-history

 Die typisch eckige Form des ganz frühen 18. Jahrhunderts. Selten und sehr begehrt in Sammlerkreisen.

Teekanne von Jacob Margas, London 1717 zwischen dem ältesten mir bekannten Paar Teedosen von Simon Pantin, London 1702.

Bald schon setzten sich runde Formen durch, die sind leichter zu schmieden als Kanten.

Obwohl Tee als Getränk in England schon in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts populär wurde, sind Teedosen eher eine Entwicklung des frühen 18. Jahrhundert. Das ist auch irgendwie logisch, denn zunächst genoss man Tee auswärts in Coffee Houses. Da brauchte man keine kleinen Teedosen. Erst später fanden in den besseren Kreisen Teeparties in den eigenen 4 Wänden statt. 

Wer sich Tee leisten konnte und auch noch das dazu benötigte Equipment für Zubereitung und Servieren aus Silber, der hatte es geschafft - und zeigte das auch.

Aber noch vor dem Tee kam der Kaffee nach England. Und der Kakao. 

Die Kaffeekannen des frühen 17. Jahrhunderts hatten eine schlichte, konische Form (konisch, nicht komisch) und oft noch Seitengriffe. 

Wer damit mal gegossen hat, der kann verstehen, warum diese bald verschwanden.

Schon um 1650 öffneten die ersten Kaffeehäuser in London. Nur für Männer übrigens. Als später der erste Tee öffentlich angeboten wurde, erfolgte das in diesen Kaffeehäusern. Etwas später wurde der Tee auch in Gärten serviert - dort auch den Damen.

Aber wir sind ja beim Kaffee .... 

Meine persönlichen Favoriten stammen aus den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts.

Schlicht, aber schon mit kleinen Zierelementen - und der Korpus begann sich von unten her zu wölben. Schwere Handarbeit.

Mit rund 25 cm Höhe und 1 Liter Fassungsvermögen optimal im Gebrauch.

Der Unterschied zwischen Kaffeekannen und Kakao- oder Schokoladenkannen ist der, dass chocolate pots eine abnehmbare Krone haben, durch die der Kakao mit einem Stab vor dem Ausgießen gerührt wurde. Denn im 18. Jahrhundert gab es weder Nesquick noch Kaba, sondern der Kakao war eine ziemlich fette Masse.

   
1711   Anthony Nelme   London  

 1749   Aimé Videau   London

Demontierbarer Deckel hilft bei der Reinigung.

 

 Auch aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt es wunderbare große Kaffeekannen.

Von Rococo bis Neoklssizistisch. Von 26 bis 36 cm Höhe.

 

Es gibt auch Kannen aus dem 18. JH, die zwar keinen klassischen Kaffeekannen-Ausguß haben, aber durchaus auch als Kaffeekanne genutzt wurden. Sie werden mal hot milk jugs genannt, dann hot water jugs. Am Ende ist doch egal, was man rein macht.

 

Kommen wir nun zu den Teekannen und Teedosen

1746   Henry Brind    London                                                         1733   Thomas Mason   London

  Die klassische Form der Teekannen in der ersten Hälfte des 18. JH war die Kugel, die bullet form. Stabil gehämmert    für die Ewigkeit. Und klein, denn Tee war sehr teuer. Außer der Kanne in der Mitte!

1742   Robert Gordon   Edinburgh

  Eine ganz besondere Teekanne.  Siehe "Schatztruhe Tee"

Hier die klassische Form der Teedosen dieser Zeit.

Erst ganz schlicht. Ab etwa 1735, den Anfängen des Rococo, auch verziert.

1738   John Newton   London

 Der englische Begriff tea caddy für Teedose stammt wohl von dem malaiischen Wort kati, einer Maßeinheit für Tee.

 Besonders rar und begehrt sind komplette Sets mit 3 Dosen. In der Regel bestehend aus 2 Teedosen für Grüntee und Schwarztee sowie einer (meist größeren) Dose für Zucker - zu der Zeit ebenfalls ein Luxusgut! 

 1753   Samuel Taylor   London       

Siehe "Schatztruhe Tee"

Aus der Zeit des Rococo haben realtiv viele dieser 3er sets überlebt, weil sie oft geschützt in verschließbaren Boxen aufbewahrt wurden. Den Schlüssel hatte die Chefin.

Foto geliehen von KoopmanRareArt

Ab etwa 1770 wurden die Teedosen selbst mit einem Schloß versehen.

1796   Peter, Ann + William Bateman   London

 An dieser Stelle müssen wir aber noch einmal einen Schritt zurück in der Designgeschichte.

Denn die Nutzung der Dampfkraft in Form der Walzmaschine veränderte die Produktionsmethoden im Silberhandwerk entscheidend - und damit auch das Design. Zwar hatte sich die Kugelform mit den Jahrzehnten eher zur Birnenform gewandelt - aber der Korpus war immer noch komplett handgetrieben und der Ausguss gegossen.

Birnen (pear) -Form, nur kurz modern, etwa 1760 bis max 1780. Meist schlicht.

Hier aber in fantastischer Ausführung im neoklassizistischem Adam-Stil. 

1777   William Collings   London

 Ab den 1770er Jahren wurde Silber zu flachen Platten gewalzt werden, aus denen die Teile für die neue Kannenform ausgeschnitten und dann zusammengelötet wurden. Die Vorteile für den Silberschmied waren überwältigend gegenüber der klassischen Methode, bei der er mühsam den Korpus treiben musste: Er sparte eine Menge Arbeitszeit und viel Material. Dadurch konnte er deutlich billiger produzieren.

Natürlich sind auf diese Art produzierte Kannen nicht so stabil und unempfindlich wie die gehämmerten Kugeln. Da gibt es beim Kauf einiges zu beachten, siehe dazu meine Ausführungen bei den Angeboten.

Die neue Technik forderte und erlaubte neue Designs und neue Zier: Perlränder und Gravuren.

1775   William Hancock + John Rowbotham   Sheffield

Siehe "Schatztruhe Tee"

Schon etwa 1780 setzte sich die ovale Grundform durch und sollte dann rund 25 Jahre einheitlich den Ton angeben - wenn auch in vielen Varianten. Mit einem Fassungsvermögen von meist einem knappen Liter. 

Die frühen Exemplare bis 1785 sind aus meiner Sicht besonders wertig durch die Perlränder.

 Diese findet man nach dieser kurzen Periode nur noch selten, aber dafür wurden die Gravuren immer aufwändiger.

 

1792   George Brazier   London 

Die 3 Grazien

 Erstklassige Graveure waren gefragte Spezialisten! Die Gravurarbeiten an diesen Kannen sind aufwändig und erstklassig - einschließlich einem Wappen - und auch heute noch nicht blind poliert. Das macht den Unterschied!

Durch die sehr deutliche Reduktion der Teesteuer 1783 mit dem Ende des amerikanischen Revolutionskrieges wurde Tee auch für breitere Bevölkerungskreise erschwinglicher - da kam die günstigere Produktion von silbernen Teekannen doch gerade richtig. Wobei wir immer bedenken sollten, dass Arbeitskosten damals nicht das Problem waren. Das gesparte Material / weniger Gewicht durch das dünnere Walzsilber brachte den Gewinn.

(Zumal mit der Reduktion der Teesteuer natürlich zeitgleich eine neue Steuer eingeführt wurde: Auf Silberwaren! Deshalb gab es ab 1784 einen Stempel mehr auf die Kanne: den Herrscherkopf als Quittung für die Steuerzahlung.)

 

  Die Teedosen passten sich in der Form immer mehr den Kannen an.

Aber der Verkauf erfolgte das ganze 18. JH hindurch fast immer getrennt, nicht als Service wie wir es heute kennen.

1793   John Denzilow                           1791 Henry Chawner                        1792   Robert Hennell 

Diese Stücke kommen alle aus dem Hause Bateman, sind sehr ähnlich - aber kein Service.

Die ersten Service kamen in den 1780er Jahren auf. Es ist extrem schwer, heute eines zu finden.

1788   William Plummer   London

Es ist schon schwer genug, eine top-erhaltene, reparaturfreie, hochwertig verarbeitete und verzierte Teekanne dieser Art mit festem Original-Griff und passender Krone, mit intaktem Scharnier und ohne Monogramme, aber mit Wappen und in komplettem Zustand zu finden ...

 ... komplett?  Ja, komplett ist eine solche Teekanne nur mit dem Original-Tablett.

 

 Praktisch alle diese Kannen wurden mit einem kleinen Tablett ausgeliefert, dem sog. teapot stand zum Schutz der Holztische. Die Original-Tabletts sind leider meist verloren gegangen über die Jahrhunderte.

Nun geht es auch ohne Tablett oder mit einem anderen als dem Original. Sie erkennen hier aber schon, warum eine einzelne Kanne auf ebay schon mal für 600 € angeboten wird, während für die wenigen erhaltenen Spitzenstücke mehrere Tausender auf den Tisch gelegt werden müssen.

Jetzt geht´s in die Champions League: Ein Service aus 5 Teilen mit passender Teedose!

1786    Vincent, Wakelin + Tayler und Touliet    London 

Auch dieses Service besteht aus Einzelteilen, jeweils gepunzt für einen Spezialisten. Aber alle im gleichen Design, im gleichen Jahr gepunzt und dann alle mit gleichen, sehr hochwertigen Gravuren versehen. 

Alle Teile tragen ein Coat of Arms / Wappen und ein crest /Familienzeichen anläßlich der Heirat von

Charles Trelawny (1757-1820), Sohn von General Harry Trelawny) und Mary Hawkins (gest. 1852), 

der Schwester von Sir Christopher Hawkins, Baron von Trewithan in Cornwall.

Die Hochzeit fand statt am 3. Juli 1789. Schönes Hochzeitsgeschenk!

 

Das nun folgende Service ist sicher eine Art "Blaue Mauritius": 

1791   Henry Chawner   London     

Mit passender Teedose. Alle Teile same maker, same year!

2 Körbchen für Zucker, Sahne, Konfekt.

Alle Verzierungen noch scharf, Scharnier in Top-Zustand.

 

Eine Besonderheit um die Jahrhundertwende waren diese Doppelkammer-Teedosen. Echt praktisch.

   

1798   John Langland   Newcastle

 

2 durch eine Mittelwand getrennte, gesondert verschließbare 

Kammern - z.B. eine für Schwarztee, die andere für Grüntee.

 

  Um 1800 herum wurden die Formen der Kannen etwas weicher und pagoden- oder bootsförmiger.

1791   Duncan Urquhart + Naphtali Hart   London

1799    Peter + Anne Bateman   London

Die gravierendste Veränderung: Der bis dahin gerade Ausguß bekam Schwung.

Das Tablett verschwand langsam und die Kannen bekamen stattdessen Kugelfüße. 

 

 Ab etwa 1805 etablierte sich für ein paar Jahre folgende Form, durchaus gängig als 3er Set.

1805   Urquhart + Hart   London

 

 Kannen mit zumindest teilweise handgetriebenem Korpus gab es zu der Zeit auch noch im "Queen Ann - Stil"

1802   Robert + Samuel Hennell   London

 

 Nicht nur die Engländer hatten zu der Zeit wunderschöne Teekannen: 

1813   Peter Terpager Hagen   Kopenhagen

Direkt aus dem Herrenhaus von Schloss Sophiendal der Familie von Baroness Rosenkrantz. Ziemlich einmalig mit dieser art Tablett.

 

George III. regierte (zumindest offiziell) bis zu seinem Tode 1820. Da er aber nicht mehr ganz helle war in seinen späten Jahren, hat sein Sohn schon ab 1810 die Geschäfte als Prinz Regent geführt. Nicht nur, aber auch wegen ihm änderte sich die Stilrichtung hin zu pompös und verschnörkelt.

 Regency

1810   Robert + Samuel Hennell   London        

Mit Tablett. Extrem selten zu der Zeit, da die Kannen ja auf eigenen Füßen standen.

1822   Thomas + John Settle   Sheffield

 

 1833   Charles Fox   London

Beide Teedosen sind ausgesprochen feine und große Exemplare (19 cm hoch, zusammen 1,2 kg) - und zur Größenansicht dürfen Teedosen auch mal neben einer Kaffeekanne stehen.

Ist ja immerhin die Kaffeekanne von Earl Grey - und der hat genug für den Tee getan.

 

Die Grenze zwischen Teedose und Gebäckdose verläuft naturgemäß fließend, je nach Größe.

   

 1821   William Elliot   London

 

sehr aufwändige Treibarbeiten und gegossene Aplikationen

 

Das viktorianische Zeitalter bringt in Bezug auf "Tee + Kaffee" 2 gravierende Änderungen:

  • Während es für alle Phasen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts "typische" Kannenformen gab, ist das Angebot ab dem 2. Drittel des 19. Jahrhunderts sehr vielseitig in Form und Design - aber dadurch eben kaum "typisch". Der Reichtum im Mutterland des englischen Weltreichs, in Verbindung mit der industriellen Herstellung, machte aus Tafelsilber auch ein kleines "Massenphänomen" - was der Qualität nicht immer sehr zuträglich war. Und wenn die Produktion für den mainstream gedacht ist, dann ist das für kreative Designer auch nicht gerade eine Hochzeit.
  • Einzelkannen gab es weniger. Es wurden überwiegend Service hergestellt und gekauft. Üblich waren 3-teilige Service mit Teekanne, Zuckerschale und Milchkännchen oder 4-teilig mit Kaffeekanne. 

1859   Martin + Hall   Sheffield  

selten: mit passender Teedose.

1894   Martin Hall   Sheffield

 

Um 1890 herum wurde sehr viel Silber in Hanau produziert. Hier ein paar typische Teedosen.

 

Und in Japan entstanden zur gleichen Zeit ganz feine Silberwaren.

In der Meiji-Periode verloren die Schmiede die Aufträge für Samurai-Schwerter und verlegten sich wohl aufs Silber.

   

um 1890   Japan

   

 

Ansonsten ist es wie in der Mode: Alles kommt wieder ...

100 Jahre später wird die Grundform des späten 18. Jahrhunderts noch einmal populär und es entstehen optisch und qualitativ anspruchsvolle Alternativen zu den klassischen George III - Kannen.

Kannen von 1878 und 1886

 

Café au Lait

Eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, sind café au lait - Sets.

Kaffeekanne plus Milchkanne plus manchmal auch Zuckerschale.

 England, 1934 und 1918

1949   Wakely + Wheeler   London

Man findet oft die Version mit einer Kanne mit langem Ausguß (für den Kaffee) und einer mit kurzem Ausguß,

 aber es gibt auch die Version mit 2 langen Ausgüssen.

In den 5-teiligen Service steckt das Café au Lait Set praktisch drin.