Schatztruhe rund um Tee und Kaffee

 Ich erlebe, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen Silberwaren kaufen. Da gibt es

- die Nutzer "Wir sind Teetrinker. Haben Sie auch Teesiebe?"

- die Dekorateure "Die Schale würde bei uns auf der Kommode optimal aussehen!"

- die Sammler und Spezialisten. Mit unterschiedlicher "Ernsthaftigkeit".

Kenner und Liebhaber finden in dieser Schatztruhe außergewöhnliche und einmalige Raritäten.

Die Auswahl der Stücke ist eine ziemliche Anstrengung. Ein kleines bisschen so, als würde man eine Mutter fragen, welches Kind ihr am liebsten ist. Eigentlich verbietet sich schon die Frage ...

  Andererseits verdienen manche Schätze deutlich mehr Aufmerksamkeit, sprich Bilder und Informationen, als die recht nüchterne Auflistung in den Verkaufs-Rubriken erlaubt. 

Die womöglich größte Teekanne des 18. JH 

1742   Robert Gordon   Edinburgh

Rechts und links Kannen in der damals üblichen Größe mit einer Höhe von 10 -12 cm

Die Kanne von Robert Gordon hat ein Fassungsvermögen von 1,75 Litern, wiegt 946 Gramm und mißt 17 cm im Durchmesser.

Damit ist sie wahrscheinlich die größte Teekanne ihrer Zeit. Der Auftraggeber wollte vielleicht zeigen,

dass er sich viel von dem damals sündhaft teuren Tee leisten konnte. Oder der Tee war einfach billiger in der Karibik.

   

Denn das Wappen auf der Kanne zeigt die Vereinigung

der Familien Spearman und Young anläßlich der Heirat

von Charles Spearman of Thorney Hall (1728 - 1763)

mit Margret Young im Jahre 1761.

 

"Margarete" war die 2. Ehe für "Carolo" und offensichtlich eine "gute Partie"

als Tochter von Sir William Young (1724 -1788), 1st Baronet, Governor of Dominica,

und Schwester von William Young (1749-1815), 2nd Baronet, Governor von Trinidad.

Leider hatte Charles nicht viel davon und verstarb schon 2 Jahre nach der

Hochzeit im Alter von nur 35 Jahren.

Die Kanne hat noch den Original-Griff. Dieser zeigt nach fast 280 Jahren erste kleine Absplitterungen an den Enden,

ist aber noch bombenfest. Einen evtl. Austausch (keine große Sache) überlasse ich dem zukünfigen Eigentümer.

Preis auf Anfrage

 

 Ein perfektes 3-Gestirn

 1753   Samuel Taylor   London

Eine kleine Geschichte, die das Sammlerleben schreibt:

Ich finde das Paar Teedosen (ohne die Zuckerdose in der Bildmitte) und bin sehr happy, vor allem nach der Identifizierung des Wappens.

Dann fahre ich nach Maastricht zur TEFAF - ein bisschen ehrfürchtig staunen über schöne Kunst. Bei Shrubsole aus New York sehe ich

ein ähnliches Päarchen mit passender Zuckerdose. Ok, mit Box - aber für 35000 Dollar!!. 

https://shrubsole.com/products/a-set-of-three-george-ii-antique-english-silver-tea-caddies-in-shagreen-case

Ich denke noch, Mensch, ich werde doch wohl auch mal so etwas finden. Im Auto auf dem Weg zurück von Maastricht (!) geht das Telefon.

Die Kollegin aus England, von der ich das Paar habe: Die Familie, aus deren Besitz sie das Paar Teedosen habe, hätte sich gemeldet.

Man "habe noch eine 3. Dose gefunden" - die Zuckerdose! Ob ich die auch haben wolle ...

Die Befüllung durch den herausnehmbaren Boden erlaubt das aromaschonende "First in-First out" - Prinzip.

Preis auf Anfrage

  Das obige "Dreigestirn" würde ich aus verschiedenen Gründen als "perfekt" bezeichnen:

- Original-Set in Top-Zustand

- Alle Teile perfekt gepunzt, "ordnungsgemäß" (siehe Thema duty dodger) an Körper, Boden und Deckel.

- Identifiziertes Wappen auf Vorderseite und crest auf dem Deckel.

   
     

 (Auszug aus dem mitgelieferten Certificate of Identification)

These armorial bearings undoubtedly commemorate the marriage of William Burrell Massingberd (baptised 5th May 1719 died 18th August 1802), of Ormsby Hall, South Ormsby, near Louth in the County of Lincolnshire and Anne Tancred Dobson (born circa 1722 died July 1759). William and Anne were married on the 26th August 1746 at the Parish Church of All Hallows, Tillington in the County of Sussex ... William succeeded to the family seat of Ormsby Hall and other estates on the death of his father in 1728 whilst a young child. He rebuilt Ormsby Hall in the Georgian style in the 1750´s and went on to serve as High Sheriff of Linconshire for the year 1745. William and Anne`s marriage produced six children, two sons and five daughters.

   

 Diese beiden Familiensitze der Messingberds gehören heute

zum National Trust und können besichtigt werden.

hier klicken: Ormsby Hall

 

hier klicken: Gunby Estate

   

 South Ormsby Church mit Grab v. William Burrelll Messingberd

 

Ahnentafel

 

 In search of excellence.

 1791   William Skeen   London

Kanne mit Original-Tablett; ca. 18 cm hoch, ca. 1,2 Liter Fassungsvermögen,

ca. 764 Gramm (618 + 146)

 Warum kosten Teekannen dieser so beliebten Art (klassische George III Kannen von ca. 1780 bis ca. 1805) mal ein paar Hundert € und mal mehrere Tausend? Hier die Kriterien, die den Preis ausmachen (neben subjektiver Beliebtheit)

Wie groß ist die Kanne?
Ist die Form selten zu finden?
Ist ein Tablett dabei? Ist das Originaltablett dabei?
Wie aufwendig ist sie gestaltet und verziert? Sind die Verzierungen scharf? Oder schon blind poliert?

Ist die Krone besonders aufwändig?

Schließt der Deckel genau? Zu viel Spiel im Scharnier?

Wie ist der Zustand von Griff ? (original?)  Hat die Kanne Dellen, Beulen, tiefere Kratzer?

Gibt es (teils hässlich plumpe) Monogramme? Wurden sogar welche weg gefräst ? (dünne Stellen!)
Oder hat die Kanne stattdessen ein schönes family crest oder Wappen, evtl. sogar eine identifizierte Provenienz?

Und bei dieser Art von Kannen besonders zu beachten: Reparaturen?

Die Kannen bestehen aus verlötetem Walzsilber. Produktionsbedingt sind diese nicht so unverwüstlich wie ein getriebener runder Korpus mit gegossenem Ausguss. Ist die Kanne dicht? Gibt es nachträgliche Lötungen, die auch von außen sichtbar sind? Nicht alle Anbieter erwähnen diese Reparatur-Lötstellen. Manche erkennen sie wohl auch nicht. Grundsätzlich sind sie - professionell gemacht - auch kein Problem. Aber ich erwähne sie.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – aber Sie sehen schon: Wenn eine Kanne alle Positivkriterien erfüllt, dann ist sie schon etwas ganz Besonderes. Grundsätzlich befinden sich alle von mir angebotenen Kannen in einem Zustand, der noch einmal 100 Jahre täglichen Gebrauch erlaubt!

Ich bin immer auf der Jagd nach solchen Kannen, aber in Qualität und Zustand wie diese hier taucht leider nur alle paar Jahre mal eine auf.

3750 €

 

 Sheffield - vor der Massenproduktion. 

1775    William Hancock und John Rowbotham    Sheffield

Kannen dieser Form wurden nur wenige Jahre produziert. Diese hier ist extrem fein und aufwändig.

ca. 15 cm hoch, 439 Gramm und 0,9 Liter Fassungsvermögen.

   
(Identifikation läuft)    

2600 €

   

Das assay office in Sheffield wurde erst 1773 eröffnet

 

 Auch auf die Initiative von Hancock/Rawbothom hin.

 

 Das wohl älteste überlebende Paar Teedosen!

 1702   Simon Pantin   London

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das älteste erhaltene Paar silberne Teedosen.

Ich habe nie ein älteres Paar gesehen, weder in der Literatur noch irgendwo im Angebot. Teedosen wurden erst populär mit dem 18. JH.

Und Paare, schon bei Produktion und Erwerb eher die Ausnahme, wurden natürlich auch of getrennt über die Jahrhunderte.

Denken Sie nur an die vielen Erbschaften in so langer Zeit, bei der Besitz aufgeteilt wurde.

ca. 11,5 x 8,5 5,5 cm und 638 Gramm

Es gab ein "eckige Periode" im Silberhandwerk. Eine kurze Zeitspanne, von 1700 bis 1720. Eine schwere Periode.

Denn die eckigen Stücke waren schwerer als die gerundeten - man braucht einfach mehr Silber für stablile gefaltete Winkel.

Und schwerer für den Silberschmied. Denn glatte Flächen und scharfe Winkel sind viel schwerer zu schmieden als Rundungen.

2 gute Gründe, das Experiment schnell wieder einzustellen. In Sammlerkreisen erfreuen sich diese Designs höchster Wertschätzung.

Selten, schön und hochwertig!

Der abnehmbare Deckel diente als Mass für den wertvollen Tee.

   

Das Wappen einer Witwe,

deren Namen wir leider nicht  kennen.

 

Preis auf Anfrage.

 

  David Mellor "Pride"

Schon während WW2 erkannten die Engländer, dass sie die enormen Kriegskosten (die in einem Staatsfond angehäuft wurden) nur würden tilgen können, wenn die britische Industrie exportfähige Waren produziert. Um marktfähiges Design zu fördern, wurde u.a. das Council of Industrial Design (Design Council) gegründet.

David Mellor  "Pride" 

Für dieses Design von 1958 bekam David Mellor 1959 eine der wichtigsten Auszeichnungen für exzellentes Industriedesign:

Den "Design Centre Award by the Council of Industrial Design" Für Optik UND Funktionalität!

In den 1960er Jahren produziert von Elkington und Mappin +Webb. Meist in VERsilbert. Hier in ca. 2 kg Sterling Silber.

Teekanne ca. 13 cm hoch, um die 800 Gramm und mit 1 Liter Fassungsvermögen.

   

Es gibt die Zuckerschale in 2 Variationen:

  ohne Griffe und mit 2 Griffen

 David Mellor war eine große Nummer in England. Man konnte und kann im öffentlichen

Leben kaum an ihm vorbei. Man steht vor Ampeln, die er gestaltet hat oder wirft Briefe in

seine berühmten roten Briefkästen - 

im Lichte "seiner" Strassenlampen an "seinen" Bushaltestellen.

Mich begeistert immer wieder die Solidität und die Pflegeleichtigkeit,

u.a. durch die abnehmbaren Deckel auf großen Öffnungen.

Service (ohne Tablett) 

3950 €

 

 Art Deco aus Paris - mit Elfenbeingriffen.

um 1930   Adolphe Boulenger   Paris

Wunderbares Art Deco mit Griffen und Kronen aus Elfenbein.

Die Bilder sprechen hier für sich.

Selten aufwändige Applikationen.

   

Die Firma Adolphe Bolulenger wurde 1810

in Paris gegründet unter dem Namen Hautin und war

aktiv bis 1938 in der Rue du Vert Bois.

Nach dem Tode von Adolphe 1898 unter der Leitung

seines Sohnes Charles.

 

2,4 kg 950er Silber

4500 €

 

 Art Deco aus Paris - mit Edelholzgriffen

um 1930   Saglier Freres   Paris

Gleiche strenge Art Deco Form wie oben, allerdings mit Griffen und Kronen aus edlem Palisanderholz anstatt Elfenbein.

Schwere Qualität:

ca. 2861 Gramm 950er Silber.

Ungewöhnlich: 5-teilig!

Eine kleine Kanne (Mitte) als 5. Teil für heiße Milch oder Wasser.

Griffe und Kronen fest und ohne Beschädigungen

Saglier Freres.

Die Firma wurde gegründet von Victor Saglier in den 1870ern und 

später von seinen beiden Sähnen geführt. Aktiv bis 1947.

12 de la Rue d´Enghien   Paris

5750 €  (ohne Tablett)