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Englische Punzen und Marken

   

Von links: John Smith I (Grimwade 2579), sitzende Britannia für 958er

Silber, Lion`s head erased für London (nur 1697-1720),

Jahresbuchstabe 1699/1700

 

Sterling Lion, Leopard`s Head für London, Jahresbuchstabe

für 1790, als duty mark der Kopf von George III, maker`s mark

von John Crouch + Thomas Hannam (Grimwade 1233)

Thomas Tearle (Grimwade 2938), Sterling Lion, Leopard`s Head,

Jahresbuchstabe 1733. Zusätzlich das "scratch weight",

das "eingekratzte" Silbergewicht zum Zeitpunkt der Stempelung

(wird im Laufe der Zeit etwas weniger durch polieren):

Genau 25.0.0. Troy Unzen.

 Um zu vermeiden, dass jemand durch einen zu niedrigen Anteil Silber betrogen wird, wurde schon im Jahre 1238 der Sterling- Standard festgelegt. Sterling Silber muss mind. 925/1000 pures Silber enthalten.

Seit 1300 wird Silber in der London Guild (heute Assay Office der Goldsmith`s Company) auf seine Reinheit getestet und mit dem Leopardenkopf gepunzt.
1363 wurde die maker`s mark (Meistermarke) eingeführt und seit 1478 gibt es die Jahresbuchstaben.

Das "Silberjahr" begann bis 1975 nicht am 1. Januar, sondern am Jahrestag des Schutzpatrons der Silberschmiede, St. Duncan, am 19. Mai bzw. ab der Reformation 1660 am 29. Mai. Ein Buchstabe bezeichnete deshalb lange Teile von 2 Kalenderjahren.

Der Löwe / lion passant kam erst 1544 dazu.
 

   

 Für den Hausgebrauch

reicht dieses Handbuch

über englische Punzen völlig.

 

Für die Identifizierung

von frühen makern

(teuer!)

 

Meistens reicht auch ein Blick auf diese Seite:  http://www.silvermakersmarks.co.uk/index.htm

 oder auch mal hier
  http://www.925-1000.com

Die Engländer haben sicher das perfekteste System - und das ist auch ein Vorteil des englischen Silbers. Eine Identifizierung ist   sicher und leicht. Es ist so eine Art TÜV-Siegel, an dem man ablesen kann, wo und wann das gute Stück für wen gestempelt wurde.

Neben der maker`s mark (siehe unten) finden wir dort:

  • Den schreitenden Löwe (für Sterling Silber) oder die sitzende Britannia (für 958er Britannia Silber).
  • Das Zeichen für den Ort des Punzamtes, z.B. der Anker für Birmingham, die Krone für Sheffield oder der "crowned leopard`s head" für London. der von 1697 - 1720 gegen den "lion`s head erased" (Britannia silber) getauscht wurde. Bei Punzämtern muss jedes Stück vorgelegt werden und wird dort auf den ordnungsgemäßen Silbergehalt geprüft.
  • Den Jahresbuchstaben. Die Unterscheidung über die Jahrhunderte erfolgt durch Groß- bzw. Kleinschreibung, die Form des Buchstabens und die Form des Schildes, das den Buchstaben umgibt.
  • ggf. die Steuermarke: Von 1784 - 1889 (und vereinzelt noch heute) wurde meist zusätzlich noch der Kopf des aktuellen Königs / der aktuellen Königin als Steuermarke / Quittung für Steuerzahlung gepunzt.

jugs und ewer aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

 

Eine traditionelle Form der Steueroptimierung

 Da auf hallmarked silver zu bestimmten Zeiten Steuern anfielen, gab es Vermeidungsstrategien.
Wer dazu tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich den Artikel von David McKinley:


The Background To "Duty Dodgers" (hier klicken)

Der Artikel ist auf Englisch, weshalb Sie sich jetzt eine kleine Pause verdient haben.

                                                                                                                       Man beachte das wichtige Detail auf der Hafenmauer!

 

Gängige Praxis für Duty Dodger:

Von Teedosen dieser Art wurde gerne nur der herausnehmbare Boden für die Punzierung und Besteuerung nach Gewicht vorgelegt. Nicht der Korpus mit Deckel.

Man spart wo man kann!

  Eine Geschichte zum Thema habe ich noch:

1973 wurde in England der Hallmarking Act erlassen. Diese aktuelle gesetzliche Zusammenfassung der seit Jahrhunderten bestehenden Regeln und Erlasse zur Punzierung von Silber und anderen Wertmetallen ist ja nur sinnvoll und steht in einer langen Tradition.
Auch die darin verankerte Regelung, dass der Handel mit nicht oder nicht ordnungsgemäß gepunztem Silber verboten ist. Alles gut. Aber was macht man heute mit den duty dodgern von vor 300 Jahren?

Man kennzeichnet sie. Wenn "die Polizei" sie findet.
So durchstreifen also ab und zu Kontrolleure im Vorfeld der Auktionen bei Christies + Co die Ausstellung und fordern die Auktionshäuser "bei Verdacht" auf, die Stücke aus der Auktion zu nehmen und zunächst dem Assay Office zur Prüfung vorzulegen.
So geschah es auch bei dieser Kaffeekanne: 

 1736   Paul Crespin   London

 Der Vorwurf: (Ich habe den email-Schriftverkehr von Bonhams)
Nicht, dass die Kanne in irgendeiner Weise eine Fälschung sei. Nein, die Kanne ist von Paul Crespin und aus der Zeit.
Da passt alles: Design und Größe, Farbe und Zustand des Silbers, zeitgenössisches Wappen. 

Außerdem stimmt das eingeschlagene scratch-weight (das Gewicht bei Punzierung) genau: 24 troy ounces und 8 pennyweights sind 759 Gramm (ohne Griff). Die Kanne wiegt heute, (mit Holzgriff abzüglich dem üblichen ganz leichten Polierverlust über die Jahrhunderte), 781 Gramm.

   

Das Wappen steht in Verbindung

zur Familie Crips

 

 Das Crips Monument in der

St. Mary´s Church in Wingham, Co. Kent.

 Aber der gute Paul hätte sich einer weit verbreiteten Methode des duty dodging bedient und aus einem gepunzten kleinern (leichteren) versteuerten Stück die Punzen ausgeschnitten und für diese Kanne im Boden benutzt. Man kann zwar überhaupt keine Naht erkennen, aber die Punzen lägen ein wenig zu nah beieinander und ließen Rückschlüsse zu auf eine vormals kleinere Fläche. Aha ... ok.

Das löst eigentlich nur ein Schmunzeln aus - so lange nicht jemand eine neue Kanne mit alten Punzen fälscht.
Immerhin, die Hilfspolizisten konnten stolz einschlafen, nachdem sie die Punzen am Boden der Kanne wie vorgeschrieben gekreuzt und Ihre Verwaltungsnummer LAO 8956 eingeschlagen hatten. Und jetzt ist der Verkauf auch wieder legal.

 Ochtnung muss sein! :-)