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Hier ein paar allgemeine Infos zu meinen antiken Holzwaren.

 Zum Auftakt möchte ich 2 Themen behandeln, die immer wieder angesprochen werden.

 Wertverfall und Zustand

Beides hängt eng zusammen. Beginnen wir beim Wertverfall von Antiquitäten, speziell antiken Möbeln. Ja, der war grundsätzlich extrem in den letzten 30 Jahren. Aber man muss da schon etwas differenzieren. Richtig ist, dass viele antike Großmöbel heute spottbillig zu haben sind. Auf dem Bild links sehen Sie einen wirklich erstklassigen Schrank aus massivem Mahagoni in Top-Zustand, um 1830. 1 Meter breit. Der hat Ende 2018 nicht mehr gekostet, als von manchem Hersteller moderner Wohnzimmerschränke aus "Mitteldichter Faserplatte" für 1 Meter verlangt wird. Das ist natürlich erschreckend, ja lächerlich!

Vor allem die jüngeren Menschen richten sich heute nun einmal anders ein. Nicht so auf Dauer, in weniger Wohnraum, mit niedrigeren Decken und so weiter.

Bei Kleinmöbeln oder dekorativen Elementen sieht die Welt aber anders aus. Die finden auch als stilistische Solitäre in modernen Einrichtungen und kleinen Wohneinheiten einen Platz. 

Außerdem gibt es Sammler, z.B. für

schöne Holzboxen, tea caddies u.s.w.

  

 

Vielleicht gucken Sie auch manchmal "Bares für Rares". Offen als Trödelshow angelegt; nicht mit dem Anspruch, hochwertige Antiquitäten zu präsentieren. Aber ab und an taucht ein Kandidat mit einem Kleinmöbel auf, von dem er glaubt, es sei hochwertig. Und der gute Albert entlarvt es dann als billiges Kaufhausmöbel, dass ein windiger Antiquitätenhändler den Großeltern als "England, 19. JH" teuer verkauft hat. Ist das Preisverfall?

Solche Händler werden aber weniger, je mehr Leute sich im Internet informieren.

Oder es kommt ein Biedermeier-Schrank, an dem sich ein Hobbybastler "restauratorisch" versündigt hat. Oft fehlen ganze Teile / Aufsätze. Furnierteile abgeplatzt. Wasserflecken u.s.w. Was erwarten die Leute? Davon ist Ebay voll und jeder Trödler hat so was auf dem Hof.

Heißt es bei Immobilien immer "Lage! Lage! Lage!", so heißt es bei Antiquitäten "Zustand! Zustand! Zustand!"  Zum Beispiel "Farbe! Farbe! Farbe!", gerne auch "Patina! Patina! Patina!"   

   
     

Aber Achtung: Patina bedeutet nicht abgenutzt, ungeputzt und schmuddelig!!

Wie viele Teile wurden ausgetauscht? Holz, Metall (z.B. Scharniere)? Wurden Schäden kaschiert oder restauriert?

Ich habe das Glück, mit ein paar der anerkanntesten Restauratoren für Möbel in England sprechen zu dürfen. Auf meine Frage "Was ist das wichtigste bei der Restauration?" ist die Antwort unisono "Less!" Also "weniger ist mehr". Die Aufgabe ist nicht, das Möbel neu aussehen zu lassen, sondern die natürliche Schönheit wiederzubeleben. Mit schonendsten Massnahmen.

Heißt aber auch: Kaufe nur Ware, die noch in Top-Zustand ist. Denn kauftst du Ware, die zu viele Macken hat, dann wird diese durch die vielen Stunden der Restauration genau so teuer, als wenn du gleich gute Ware eingekauft hättest. Oder du musst eine Amateurrestauration machen, bei der es ums kaschieren und vertuschen geht. Und dann den billigen Jakob rausposaunen.

Einziges Problem dabei für den Handel: Es gibt kaum Ware im Top-Zustand zu kaufen. Die Suche danach kostet viel Zeit und Mühe. Fachwissen, Erfahrung, Kontakte. Auch die möchte ein Händler bezahlt haben! Ich auch ...

Und was kostet ein guter Restaurator pro Stunde? Und wie viele gibt es davon?

Die hochwertigsten Antiquitäten sind nicht die, die "wie neu" aussehen, sondern diejenigen, die in Würde gealtert sind. Aber gepflegt! 

 

Mein Eindruck ist, dass in der Menschheitsgeschichte kaum ein Kulturgut auf so vielfältige Art gestaltet wurde wie ...

Dosen.

 

 Ich meine Behälter mit Deckel. Nicht nur die Milliarden von Tupperdosen, sondern all die Schatullen, Kästen, Kästchen und Kistchen aus allerlei edlen und unedlen Metallen, Glas, Erden, Porzellan, Elfenbein, Pappmaché und Holz.

 Wenn ich Holz sage, dann meine ich Mahagoni, Nussbaum, Coromandel, Palisander und Eiche. Außerdem Kirsch-, Apfel- und sonstige Obstbaumhölzer. Dazu Kingwood, Tulipwood und Tigerwood. Um nur einige zu nennen. Massiv oder furniert, lackiert oder mit Einlegarbeiten aus anderen Holzarten, Perlmutt oder Metallen. Viktorianisch, orientalisch, asiatisch.

Für Bestecke, Tee oder Hochprozentiges. Für Schmuck oder andere Wertsachen (Strongboxes), Dokumente, Spielkarten oder die unzähligen kleinen und größeren Sammlerschätze dieser Welt. 

 

Wie oben beschrieben, ist es schwer, Holzboxen zu finden, die dem Zahn der Zeit erfolgreich Widerstand geleistet haben. Mindestens genauso viel Glück und Anstrengung erfordert es, jemanden zu finden, der das Innenleben den modernen Ansprüchen an eine Schmuckschatulle anpassen kann.

Für alle, die es innen "Neu" möchten. Ich verstehe das.

   

 

Gerade bei Schatullen für feines Geschmeide sollte das Innenleben nicht an eine Bastelstunde im Seniorenwohnpark erinnern. Es gibt Spezialisten für solche Arbeiten. Ja, dann kostet die Schmuckschatulle 50 oder auch 250 € mehr als eine "ähnliche". Aber Schmuck braucht auch eine schmucke Präsentation.

Und der gute Whisky erst ;-) 

 

  

Eine Übersicht über Geschichte, Herstellung oder Edelhölzer

kann ich hier gar nicht so gut erstellen, wie Daniel Lucian das schon lange hat.

 Er handelt seit 20 Jahren mit den feinsten Edelholzboxen, die man bekommen kann. (Und ist meistens ausverkauft). Er hat einen wunderbaren AntiqueBoxGuide aufgebaut, dessen Studium sich auf jeden Fall lohnt!

Klicken Sie einfach hier und finden Sie über das Menu die einzelnen Themen.

 

Mir haben es speziell die Holzarten Kingwood und Coromandel angetan.

   

Kingwood mit Messingeinlagen

 

Coromandel mit Perlmutteinlagen

Sind natürlich die teuersten Holzarten, dazu habe ich echtes Talent ;-( 

Und altes Mahagoni.

Da waren wir noch jung! Gerade Führerschein gemacht. "Neue Deutsche Welle", die Band "Spliff", der Song "Carbonara".

Eine Textzeile lautet "Amaretto ist ein geiles Zeug, ich bin schon lull und lall". Die kam mir igendwie in den Sinn, als ich zum ersten Mal gutes altes Mahagoniholz sah. Ich spreche von massivem alten Mahagoni aus Honduras oder Cuba.

Nicht von dünnen Furnieren mit Mahagoni aus Indonesischem Plantagenanbau!

      Mahagoni ist ein geiles Zeug ...   

 Das Lied singen die Einwohner in den Herkunftsländern schon lange und das erkannten auch die spanischen Eroberer in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Sie brachten das erste Mahagoniholz nach Europa, das vor allem im Schiffsbau Verwendung fand.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckten auch die Möbelbauer die Vorzüge dieses Hartholzes: stark und fest, dabei feingliedrig, praktisch wurmfrei. Große Bäume, die auch große Platten und Furnierstücke ermöglichen. Gut zu verarbeiten und zu schnitzen.

Dabei wunderschön, mit edler, wertiger Ausstrahlung in verschiedensten Schattierungen.  

   
     
 

Mahagoni löste das im 17. JH beliebte französische Nussbaumholz ab. Das passte gut, denn der extreme Winter 1709 ließ den Nachschub aus Frankreich stocken. Außerdem lag man mit den Franzosen sowieso ständig im Streit. Dann eben jetzt zur Sicherung des Zugangs zum Mahagoni.

Der Stil änderte sich erst einmal nicht. Nur das Holz.

 Meine ersten Möbel aus Mahagoni half mir mein damaliger Nachbar in die Wohnung zu tragen. Wir waren uns einig. "Mahagoni ist ein ..." Dann kam seine Gattin dazu. Gerade, als wir darüber spekulierten, in welchem Herrenhaus der Schreibtisch wohl mal stand. Und ob der Lederbezug auch Spritzer von Whisky verträgt.

Seine Gattin ist sehr nett. Ihr Weltbild allerdings ... nun, wie soll ich sagen .... ist selten von Hintergrundberichten gestört worden.

Mahagonibäume wachsen nur rund um den Äquator in Afrika und Mittelamerika. Die begehrtesten Hölzer kamen aus Kuba und Honduras.

"Da wurden für die Reichen ganze Wälder am Amzonas gerodet !"

Ähm ... nicht ganz. Mahogonibäume - und die können übrigens richtig groß werden - wachsen einzeln und verstreut. Es gibt keine Mahagoni-Wälder. Eine Population von 2 Bäumen pro Hektar galt schon als "abbauwürdiges Gebiet".

 

"Aber um die aus dem Wald zu holen, mussten ganze Schneisen geschlagen werden".

Ja, aber bestimmt nicht größere, wie man heute für die riesigen Windräder braucht....

" Da mussten doch bestimmt Sklaven für schuften!"

Ja, kann sein. Dafür haben viele andere dadurch freiwillige Arbeit gefunden. Ihr Großvater war übrigens Schreiner ..

Und dafür mache ich heute wahren Umweltschutz: ich kaufe alte Möbel.

 Natürlich wurde der Schreibtisch aus Holz gefertigt, das um die halbe Welt nach England verschifft wurde. Aber mit Wasserkraft raus aus dem Urwald und mit Windkraft übers Meer. Nicht mit Schweröl oder Kerosin, wie die neuen Möbel aus China.

(Deshalb bekommen Sie übrigens meine Ware nicht in neuer Verpackung, sondern in Kartons und Füllmaterial mit teils mehreren Vorleben ;-)

So, jetzt aber mal Schluß mit dem ewigen (wie so oft unbegründeten) Schuldgefühlen.

"Mahagoni IST ein geiles Zeug!" 

 Viel Literatur habe ich nicht gefunden. Einen guten Überblick für alle, die etwas tiefer einsteigen möchten, bietet diese kleine

"Mahagoni-Book"

   
     

 

 

Ein paar Worte zur Pflege:

All diese Kunstwerke aus Holz sind 100 oder mehr Jahre wunderbar ohne moderne Möbelpolitur ausgekommen. Und das schaffen die locker auch noch mal so lange. Sie wurden aktuell ausreichend gewachst und bei einer normalen mitteleuropäischen Raumfeuchtigkeit reicht es völlig aus, wenn Sie ab und an abstauben.

Klar, die Sachen sind aus Holz. Holz arbeitet. Also bitte nicht auf die Heizung oder in die pralle Sonne stellen.

Wenn Sie den Glanz mal auffrischen möchten, dann reicht wahrscheinlich eine Politur mit einem Baumwolltuch. Wenn es etwas mehr sein soll, dann bedienen Sie sich einer kleinen Menge klassischen (am besten farblosen) Holzwachses.

Hier 2, die sich 10000-fach bewährt haben - bei Profis: