Bestecke aus England

Gerne wiederhole ich an dieser Stelle einen Satz aus "Allgemeine Informationen über Besteck":

 Es ist wie es ist: Die handgeschmiedeten Londoner Bestecke aus dem 19. JH sind die besten der Welt. Punkt.

 

 Bei englischen Bestecken gibt es wegen der Kennzeichnung mit Jahresbuchstaben eine Besonderheit:

Straight oder composite / assembled?

Die wertvollsten Bestecke sind sog. straight canteens aus dem 19. Jahrhundert.
(Aber selbst die Allerbesten kosten weniger als neue von Robbe+Berking oder gar Georg Jensen).

Straight bedeutet hier: Alle Löffel und Gabeln tragen die gleichen Stempel - sowohl Jahresstempel als auch Meisterstempel. Die Krönung:  alle mit dem gleichen crest/ Familienzeichen.
Solche Bestecke sind naturgemäß sehr selten und dafür zahlt man zu Recht ein ordentliches Pemium.

Wenn alle Löffel und Gabeln die gleiche Meistermarke tragen, aber die Jahreszahlen ein bisschen differieren (alle aber innerhalb von wenigen Jahren, max 10), dann ist das auch noch "so gut wie" straight. Der Käufer hat dann wahrscheinlich auch alle gleichzeitig erworben, der Händler hatte aber Bestände aus mehreren Jahren.

Man bekommt die ersten straight Bestecke überhaupt erst ab ca. 1820. Im 18. JH war es nicht üblich, komplette Bestecke aus einer Hand zu kaufen - ebensowenig wie komplette Kaffee-und Teeservice. Das Handwerk war noch spezialisierter (z.B. reine spoon maker) und der Kunde kaufte vielleicht immer beim gleichen Einzelhändler - der aber bei verschiedenen Werkstätten, ergo mit verschiedenen Meistermarken.

Solche kombinierten Bestecke nennt man "assembled" oder "composite" 

 

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Englands im 19. JH leisteten sich immer mehr Adelshäuser ein komplettes Besteck aus einer Hand. Dieses Besteck wurde fast immer mit einem Familienzeichen (crest) gekennzeichnet. Findet man heute ein Besteck aus dieser Zeit ohne crest, dann kann man fast davon ausgehen, dass dieses entfernt wurde. Gegebenfalls schon vor langer Zeit, beim Verkauf / Erbschaft durch die ursprünglichen Besitzer.

Selbst bei straight Bestecken erwartet heute niemand die Original-Messer. Bitte lesen Sie dazu (und über den großen Löffel) bei den "allgemeinen Informationen über Bestecke"

 

Aktuelle Angebote Bestecke aus England

Meine aktuellen Angebote habe ich auf Grund der obigen Ausführungen in 5 Kategorien unterteilt:

  • 1) Bestecke aus der Zeit vor 1820
    • naturgemäß selten und praktisch immer kombiniert (assembled/composite)
    • Zur Erinnerung: Bei Londoner Bestecken aus dem 18. + 19. JH sprechen wir von Handarbeit. Keine genormte Maschinenstanzware. Da kann es bei zusammengestellten Teilen schon mal Abweichungen von einem Millimeter in der Breite oder ein paar wenigen Millimeter in der Länge geben. In der Praxis merkt das kein Mensch.
  • 2) Kombinierte (assembled / composite) Bestecke nach 1820
    • Sind diese Bestecke professionell zusammengestellt, dann sieht man praktisch keinen Unterschied zwischen den Teilen verschiedener Herkunft. (Die Stempel sind ja auf der Rückseite).
    • Leider sind wenige Bestecke wirklich gut zusammengestellt. Schauen Sie sich ein bisschen auf dem Markt um, dann werden Sie schnell feststellen, dass viele Angebote eher auf "Rudis Resterampe" gehören als in den seriösen Fachhandel. Da tummeln sich Mischungen aus Monogrammen und crests u.s.w.
  • 3) "Straight" Bestecke - alle Löffel und Gabeln aus einer Hand
  • 4) Messer, wenn gesondert zu erwerben
  • 5) Vorlege- und Servierteile siehe gesondertes Kapitel "Vorlegeteile"

 

1) Bestecke aus der Zeit vor 1820 

Old English Thread (Alt England Faden) für 12 Personen

Wie üblich für diese frühe Zeit assembled/composite -

aber mit wunderbaren alten Messern! 

London um 1800 - über 200 Jahre alt!

Besteck für 12 Personen / 84 Teile im Design Old English Thread.

Die ganz seltene Gelegenheit, ein so altes komplettes Besteck in diesem

tollen Zustand zu finden - mit alten Messern aus der gleichen Zeit!

Alle Löffel und Gabeln gepunzt zwischen 1784 und 1816 (1 Gabel 1827)

für Ely/Fearn, Bateman und andere.

Messer frühes 19. JH , ausgestattet ca. 1970 mit neuen rostfreien Klingen.

 4950 €

Das sind noch keine 60 € pro Teil! Da können Sie sich locker noch einen Besteckkasten leisten ;-) 

Zur Orientierung: Eine gestanzte Kuchengabel neu von Robbe + Berking ö.ä. kostet mehr als doppelt so viel. 

   

 Die Aufstellung der Einzelteile und der Auszug aus dem Katalog stammen von einem Londoner Einzelhändler, der für das Besteck Anfang der 1970er Jahre 4200 GBP verlangt hat - 1972 stand das Britische Pfund bei 8 DM!

Ok, das hatte sich bald erledigt - aber auch noch fast 5 DM zum Ende des Jahrzehnts ergibt eine Menge ...

 

 So könnte es im optionalen Besteckkasten aussehen.

Die untere Schublade wäre noch frei für Servierteile.

 

2) Bestecke nach 1820 - kombiniert

Verkauft, aber ähnliche Bestecke kann ich besorgen.

 Sie werden zum Design Fiddle / Spaten diverse Messerformen finden. Denn ursprünglich gab es keine speziellen Spaten-Messer, also mit einen Griff, der sich nach hinten schlagartig verdickt. Das ist eine Erfindung der Neuzeit und haptisch gewöhnungsbedürftig. Deshalb sind Sie bei der Wahl der Messer frei. Ob Old English oder Hanoverian oder candle end, ob mit oder ohne Faden - praktisch jede schlichtere Form passt.
 

 3) Straight. Bingo!

Praktisch Straight - ein Art Deco Besteck für 12 Personen 

 1947   Emile Viner   Sheffield

Sandringham nennt sich dieses beliebteste englische Art Deco - Besteckdesign.

Für 12 Personen, 84 Teile. Je 12 x (von links nach rechts)

Suppenlöffel, Messer und Gabel für Hauptspeise

Löffel, Messer und Gabel für Frühstück / Lunch / Dessert, dazu Teelöffel (1953)

Silbergewicht OHNE Messer 3130 Gramm
Mit Original-Messern, die Klingen noch sehr gut. (1951)

   

 In schönem und sehr gut erhaltenem Art Deco Besteckkasten mit flexibler Einteilung

4650 €

 

Das sind gerade einmal 55 € pro Teil inkl. Besteckkasten Zur Orientierung: Eine

gestanzte Kuchengabel neu von Robbe + Berking kostet mehr als das Doppelte!

 

Praktisch Straight - für 6 Personen

1911 Jackson + Fullerton   London     Für 6 Personen  

In der handgefertigten Qualität des 19. JH, die in London auch noch zu Beginn des 20. JH üblich war.

Als Anhaltspunkt zum Vergleich: Die große Gabel wiegt ca. 90 Gramm!

Je 6 Dinnerlöffel, 6 Dinnergabeln, 6 Lunch/Dessert - oder Suppenlöffel, 6 Lunch/Dessertgabeln,

ergänzt um 6 Teelöffel von George Adams, London 1867 und

je 6 "neue" Dinner - und Lunch/Dessert-Messer, Sheffield 1966, spülmaschinengeeignet.

Insgesamt 42 Teile und  ca. 1960 Gramm (Gewicht ohne Messer)

2750 €

 Zur Orientierung: Das sind ca. 65 € pro Teil. Eine gestanzte Kuchengabel neu von Robbe + Berking o.ä. kostet doppelt so viel.

  

4) Messer

In der Infothek unter Bestecke finden Sie mehr Details über deren Eigenleben. Wenn mit meinen Bestecken nicht automatisch die passenden Messer angeboten werden, dann haben Sie bei neuen Messern die Wahl mindestens zwischen diesen Formen:

von links nach rechts:

 Pistol, Fiddle, Old English, Old English Pip, Rattail,

 Old English Thread, Thread and Shell, Queens, Kings, Georgian

Mit viel Glück finden Sie aber unten auch seltene Exemplare aus dem 19. JH oder zumindest ältere mit passender Patina zum Besteck. Da stehen selten alle, die ich habe. Also gerne nachfragen bei Bedarf.

 Dinner- + Dessertmesser für 12 Personen

24 Messer  (12 Dinner + 12 Dessert), Klingen wie neu

1960   William Yates   Sheffield

Passend zu Rat Tail/ Hanoverian, Fiddle und vielen anderen Designs.

1550 €

 

 Pistolen-Griff

24 Messer (12 Dinner + 12 Dessert), Klingen sehr gut

1973   A. Haviland-Nye   Sheffield

1680 €