Der Titel (in Anspielung auf die berühmte James-Bond-Cocktailbestellung)

könnte auch lauten: Gehämmert. Nicht gepresst. 

Auf jeden Fall würdigt er das ursprüngliche Silberschmied-Handwerk.

Die "Industrielle Revolution" ist ein immer währender Prozess. In Bezug auf das Silberhandwerk (nicht nur) in England können wir aber einen ziemlich engen Zeitraum bestimmen, in dem es wirklich radikale Veränderungen gab: Die 1760er Jahre.

Dabei hat wenig Bedeutung, dass George III auf George II folgte. Vielmehr endete in London das Zeitalter der Hugenotten-Silberschmiede und am Rococo hat man sich satt gesehen.

Robert Adams Designs und der vom Adel von den Grand Tours aus Italien mitgebrachte klassische römisch-griechische Geschmack hielten Einzug.

Vor allem aber enterten die Industrieregionen Sheffield und Birmingham mit revolutionären Fertigungsmethoden den Silbermarkt. Und Schuld daran war die Dampfmaschine!

James Watt hat die Dampfmaschine nicht erfunden, aber mit einer 1765 patentierten Methode auf eine neue Ebene gehoben. Seine geschäftliche Verbindung mit Matthew Boulton, einem (später auch Silber-) Unternehmer aus Birmingham revolutionierte die Produktionsmethoden im Silberhandwerk. Die Dampfmaschine erlaubte das Walzen von sehr dünnen Silberplatten. Man brauchte z.B. den Korpus einer Teekanne nicht mehr mit dem Hammer aufbauen, sondern konnte ausgestanzte oder ausgesägte Teile zusammen löten. Das sparte viel Material, führte aber auch zu völlig neuen Formen.


Auch Kerzenleuchter, traditionell gegossen mit dicken Wänden, wurden nun aus 4 gleichen dünneren Seiten zusammengelötet und zur Stabilisierung gefüllt mit Holz oder Pech oder einer Art Zement.


Zum Glück investierte man die Materialeinsparung zumindest teilweise in tolle Designs und oft wunderschöne Verzierungen.

Trotzdem: Findet man erstklassige Stücke aus der Zeit danach, dann ist bei deren Herstellung praktisch immer der Treibhammer und die Gießerei beteiligt gewesen.

Gegossen wurde meist im Lost Wax- oder Wachsausschmelzverfahren. Vom Art Institute Chicago finden Sie (wie auf dem mittleren der folgenden Bilder gezeigt) eine 4-teilige Videoreportage, die Ihnen einen Eindruck über die aufwändige Arbeit verschafft. Vom künstlerischen Entwurf bis zum polierten Kunstwerk.


In der Infothek-Rubrik "Rund um Besteck" finden Sie links zu Videos, die den Unterschied zwischen handgeschmiedetem Besteck und gestanzter Massenware zeigen.

Einen mit dem Hammer aufgebauten Kannen-, Kelch- oder Schalenkorpus erkennen Sie vor allem an den Hammerspuren innen. 


Außen wurden die meist weg geschliffen für eine ganz glatte Oberfläche. Schon an Gewicht und Stabilität merkt man oft den Unterschied.

Gegossene Applikationen bringen ebenfalls Massivität und Wertigkeit.


Spitzenstücke werden in der Branche gerne bezeichnet als herausragend (outstanding) oder atemberaubend (breathtaking). Oder als masterpiece (Meisterstück). Ich benutze auch die Begriffe Champions League, Klassenbester / best of class oder museumswürdig. Letzteren finde ich im Grunde passend - wobei ich mich schon immer wieder wundere, was für Durchschnittsware sich auch in renommieren Museen findet. Da grinsen einen die Lötreparaturen manchmal schon auf die Entfernung an.

Mein Lieblingsmuseum, nicht nur in Bezug auf Silber, ist übrigens das Ashmoleon in Oxford. Die grandiose Sammlung ist auch in einem 3-bändigen Werk verewigt, welches ich zu den "must have" der Silberliteratur zähle.


Zusätzlich gab / gibt es im Museum eine Ausstellung und ein Buch über kontinentales Silber der Wellby-Collection.

Und wo wir gerade bei der Literatur sind: Meine "Best Of" sind neben dem oben erwähnten 3er Band zunächst 2 reine Übersichtswerke ohne großen künstlerischen Anspruch. Sie zeigen einen sehr umfangreichen Querschnitt durch die Silberwelt anhand von Stücken, die in diesen Auktionshäusern zum Aufruf kamen.


Dazu die Sammlungen im Boston Fine Art Museum, im Clark Institute und die Gilbert Collection (ISBN-13: 978-0500014523). Dazu für alle, die auch vor lehrreichen Texten nicht zurückschrecken, das Werk von Timothy Schroder.


Für Besteck den Klassiker von Ian Pickford. Für modernes Silber das junge, aber schon Standardwerk von Andrew + Styles. Dazu das wirklich schöne Buch über American Silver 20th Century.

Mehr braucht auch ein ambitionierter Sammler nicht wirklich.


Masterpieces 

Museumswürdig finde ich Stücke, die typisch sind für eine Epoche und neben dem ästhetisch künstlerischen Wert und einer hochwertigen Qualität in der Verarbeitung auch in einem sehr guten Zustand sind.

Also: Keine Löcher, Dellen, Reparaturen. Leuchter und Kelche stehen gerade, Tabletts und Kannen liegen/stehen gerade und ohne "wobble" auf dem Tisch. Griffe fest und original. Entweder ungraviert (ohne Ausschleifungen!) oder mit schönem crest/Wappen. Verzierungen zeitgemäß und nicht müde. Punzen identifizierbar. Sauber und poliert.

Klingt gar nicht so schwer, oder? Aber mit den zuerst genannten Kriterien wird die Luft schon dünn. Und bei dem zusätzlich geforderten Zustand geht vielen Stücken die Luft ganz aus.

Um bei mir als Masterpiece zu gelten, muss das gute Stück zu den Top 1-2% seiner Gattung gehören. Außerdem soll es (auch bei bestem Design) keine Massenware sein, sondern eine möglichst individuelle Arbeit.

Den folgenden Raum nutze ich zukünftig, um eine kleine Auswahl aktueller Meisterstücke aus meinem Bestand etwas ausführlicher darzustellen. Ich versuche zu zeigen, was den Unterschied ausmacht.

18. Jahrhundert

3-Gestirn (Teedosen mit Zuckerdose)

Die Mischung aus Treibarbeit (Korpusse) und gegossenen Teilen (Füße) sieht man schön bei diesem 3er-Set, bestehend aus 2 Teedosen und einer Zuckerdose. Solche Sets waren zur Mitte des 18. JH üblich. Gerne auch in verschließbaren Schatullen. Leider sind die meisten im Laufe der Zeit getrennt worden. Die beiden Teedosen (15 cm hoch) für Grüntee bzw. Schwarztee sind gepunzt für London 1759. Die Meistermarke IW kann für James Wright stehen. Ich vermute aber eher, dass der maker in den leider verschwundenen Listen der smallworker von 1739-1758 gelistet war und als Zulieferer für Samuel Taylor arbeitete. Dessen Stempel sind auf der Zuckerdose (14 cm hoch, Durchmesser 10,5 cm), London 1762 und er war in dieser Zeit des ausklingenden Rococo der Spezialist für genau diese Art von Tee- und Zuckerdosen.

3500 €  RESERVIERT



Teekanne, Edinburgh 1744

Das Besondere an der folgenden seltenen "bullet" Teekanne aus Edinburgh / Schottland von 1744 ist nicht nur die Herkunft, sondern vor allem die elegante Erscheinung auf Fuss, in Verbindung mit ungewöhnlicher Größe ( 14 cm hoch mit 0,9 Liter Fassungsvermögen) und Gewicht (646 Gramm).

Sie sehen die Kanne auf einem Bild abgebildet mit einer ebenfalls erstklassigen Londoner Rococo-Kugelkanne aus der gleichen Zeit - allerdings in "Normalgröße".

Top-Zustand. Klare Punzen für maker William Aytoun und den Assay Master Hugh Gordon.

Der Assay Master, also der "Chef von dat Punzamt" war selbst Silberschmied und übernahm den verantwortungsvollen Kontrollposten somit als Fachmann. Gute alte Zeit ...  

Die Teekanne hat Original-Griff und -Krone. Das versenkte Scharnier ist so fein gearbeitet, dass man es in der Verzierung förmlich suchen muss. Trotzdem ist es überhaupt nicht ausgeleiert wie bei vielen alten Kannen. Die zeitgenössischen Verzierungen sind nicht blind poliert. Innen sauber und sofort einsetzbar.

4250 € RESERVIERT



Teekanne und Teedose aus dem ausklingenden 18. Jahrhundert

Ab 1780 wurden die (immer noch recht kleinen) Teekannen oval, später größer und schlichter / eckiger. Die Teedosen passten sich der Form an. Auch sie wurden größer. Sowohl die folgende Teekanne als auch die Teedose sind design-typische Vertreter des späten 18. JH und gehören zur Kategorie "besser geht nicht". Sie bestechen durch Größe, Gewicht, Verarbeitung, Eleganz und Zustand. 

1,2 Liter Fassungsvermögen und 618 Gramm für die Teekanne (ohne Tablett) bei einer Höhe von 16 cm (ohne Tablett) sind ungewöhnlich hohe Werte für diese Zeit. Sie ist sauber gepunzt für William Skeen, London 1791.

Tablett und Griff sind original, die Daumenablage intakt. Die Kanne hat eine tolle zeitgenössische sog. Pineapple-Krone, ein eingelassenes Scharnier, nach wie vor scharfe Verzierungen, keine Monogramme und ist auch sonst ohne jede Beschädigung, die über minimale Gebrauchsspuren hinaus geht. 

Gleiches kann man über die Teedose mit schönem Familienzeichen (crest) sagen, gepunzt für Michael Plummer, London 1794. Mit einer Höhe von 15 cm und einem Gewicht 566 Gramm gehört sie zu den großen Exemplaren ihrer Art.

Eine vergleichbare Teedose vom gleichen maker gibt es gerade auf dem Markt:

https://www.acsilver.co.uk/shop/pc/Sterling-Silver-Locking-Tea-Caddy-Antique-George-III-1794-98p11356.htm

Ein wünschenswertes Detail ist bei beiden der umlaufende kleine Sockelrand am Boden, der Stabilität gibt und verhindert, dass der Boden im direkten Kontakt mit Tisch und Schrankregal im Laufe der Jahrhunderte an den Kanten dünne Stellen bekommt.

Teekanne 3500 €    Teedose 2850 €



19. Jahrhundert

Repräsentatives Tablett von 1826

Eine Hochzeit des opulenten, schweren und repräsentativen Silbers ist das Regency, also die Zeit um 1820 herum. Salvers (Tabletts ohne Griffe) gab es in so ziemlich allen Größen. Angefangen bei Durchmessern von 15 cm bis zu über 60 cm. Die kleinen Tabletts wurden genutzt als "waiter", auf denen ein Getränk gereicht wurde oder waren "calling cards tray", auf denen der ankommende Besuch vom Butler seine Visitenkarte zum Hausherrn tragen ließ, um sich anzumelden. Die mittlere Größe war für Speisen und Getränke aller Art, die größeren salver auch für Teeservice. Und die "richtig dicken Dinger" sind nach wie vor eein fantastischer Blickfang auf jedem Tisch oder sideboard und ein Ausdruck von Geschmack und Wohlstand. Egal, ob waagerecht oder hochkant in passenden Ständern. Vielseitig nutzbar, z.B. als Bar mit Kristallkaraffen.

Von den Riesen unter den salvers gibt es naturgemäß wenige. (Zur Größendarstellung entschuldigen Sie bitte das künstlerisch nicht gerade wertvolle, aber anschauliche Foto auf der Waschmaschine). Dieser hier ragt aus der kleinen Gruppe noch weit heraus. Zum einen durch sein enormes Gewicht von über 5,6 kg Sterling Silber bei einem Durchmesser von 58 cm. 

Vor allem aber durch die fantastischen plastischen Masken im gegossenen Rand. Solche klaren Gussarbeiten konnten nur die besten Fachleute mit sehr dickem Silber erreichen. Der Zustand dieses Tabletts ist nach fast 200 Jahren ebenfalls noch ganz wunderbar!

Dazu kommt eine hochinteressante Provenienz. Lesen Sie dazu alles auf den Bildern.

Es gibt aktuell ein ebenfalls sehr gutes Stück auf dem Markt, das offensichtlich auch aus dem Umfeld der Familie Goldsmid stammt:

https://www.ebay.co.uk/itm/ANTIQUE-19thC-GEORGIAN-EXCEPTIONAL-SOLID-SILVER-SALVER-TRAY-J-E-TERREY-c-1825/391971270764?hash=item5b434ef06c:g:CWMAAOSwdTJabwjg

Aber schon für Durchschnittsware wird ein kleines Vermögen verlangt:

https://www.mayfairgallery.com/large-antique-english-silver-salver-by-dobson-sons

Meiner trägt klare Punzen für Thomas Whitehead, London 1826 und kostet 

9500 €

Das auf einem Bild gezeigte 3-teilige schottische Teeservice (von George McHattie, Edinburgh 1818) gehört nicht dazu, passt aber perfekt. Es spielt in der gleichen Qualitätsliga, mit gegossenen Griffen etc. Sie finden es in der Rubrik "Silber" "Teeservice".



Handgeschmiedetes Besteck im Design "Fiddle + Thread".  

(Bei uns auch "Augsburger Faden" genannt.)

Die Vorzüge solcher viktorianischen Bestecke habe ich in der "Infothek" "Rund um Besteck" ausführlich beschrieben. Einen weitere Aspekt möchte ich an diesem konkreten Beispiel erörtern: Aufteilen oder nicht?

1894   West + Son   London/Dublin  "Baron Dunsdale"

Wenn herrschaftliche Haushalte im 19. JH Bestecke in Auftrag gaben, dann waren Gebinde für 36 Personen keine Ausnahme. Davon haben natürlich nur ganz wenige vollständig die Erbfolgekriege überlebt. Das solche Funde dann von den allermeisten Händlern sofort aufgeteilt werden in Gebinde für 12 Personen, kann ich noch verstehen. Das dabei aus den "Resten" auch 6er-Sets entstehen, hilft beim Trend zu kleinen Haushalten. 

Das aber immer mehr Händler praktisch ohne Ausnahme Teeservice und Bestecke in Ihre Bestandteile zerlegen und in kleinsten Einheiten versteigern, das geht mir doch gegen den Strich. Die Argumente: "Wer ein Service / Besteck will, muss eben alle Einzelteile ersteigern, das bringt hohe Preise" oder "Kleine Happen drehen schneller" oder "Ich habe keinen Bock mehr auf `Die Kaffeekanne im Service brauchen wir nicht, wir haben eine Jura`" 

Das hier beschriebene Besteck ist für 18 Personen. "Wer braucht denn so was??" Sicher, nicht viele Haushalte. Aber wenn man immer nur kaufen würde was man "braucht", wo wäre die Wirtschaft? Abgesehen davon: Wer eine größere Gruppe bewirtet und auch mal 2 Gänge serviert, der kommt selbst mit Bestecken für 12 schon an seine Grenzen.


Sie erhalten zunächst 126 Besteckteile für 18 Personen in der klassischen Zusammenstellung für Vor-, Haupt- und Nachspeise. 

9850 €

Das sind weniger als 80 € pro Teil. Dafür bekommen Sie bei Robbe + Berking noch nicht einmal einen gestanzten neuen Alt-Faden-Moccalöffel! 

Alle Löffel und Gabeln wurden handgeschmiedet in London und gestempelt für Langley Archer West (West + Son) in Dublin, einem der renomiertesten Juweliere Irlands.
6,5 kg Sterling Silber, dazu die NEUEN Messer!

Erworben hat es dann die Familie Daly, aus Dunsdale im County Galway. Ihr ausgesprochen schönes family crest findet sich auf allen Teilen. Eigentümer war James Frederick Daly, 4th Baron Dunsdale + Clanconal (1849-1911). Offensichtlich kaufte er es anläßlich seiner Ernennung zum Baron im Jahre 1894.
James war u.a. von 1874 bis 1880 Privatsekretär von Premierminister Benjamin Disraeli.


Mit zum Besteck gehört ein beeindruckendes und höchst seltenes Ensemble an Servierteilen. Und schon geht es wieder los: "Wer braucht 2 Suppenkellen? Und 4 Basting Spoons? Und so riesige Hash Spoons? Teile die auf, teile die auf, verkaufe einzeln!!" Versuchen Sie überhaupt einmal im Design "Fiddle + Thread" irgendwelche viktorianischen Suppenkellen oder basting spoons zu finden. Oder ein 4er set basting spoons, egal welches Design. Und für ein Paar 37 cm lange Hash Spoons werden hohe Sammlerpreise gezahlt!

Nein, ich lasse auch diese Teile zumindest bis zum Verkauf des Bestecks zusammen. Als Konvolut (wiegen zusammen übrigens über 2 kg!) kostet es 2850 €

Es handelt sich hier also nicht einfach um ein großes Besteck. Es handelt sich um wertbeständige und unverwüstliche Handwerkskunst mit einer unwiederbringlichen Geschichte, die in die höchsten Kreise der englischen Politik und des Adels führt. Ein Stück Kunstgeschichte. So etwas reiße ich nicht auseinander für eine "schnelle Mark". Irgendwann wird es jemand zu schätzen wissen.

Und einen passenden Besteckkasten finden wir natürlich auch in meinem Bestand ;-)



20. Jahrhundert

1972   Robert Welch  London / Birmingham

In der Rubrik "Silber nach 1837" in der Infothek habe ich ausführlich über die Entwicklung des Silbermarktes in England nach dem 2. Weltkrieg geschrieben und die erfolgreichen Anstrengungen gelobt, die dort zu tollem modernem Design geführt haben. Hier haben wir ein Kaffee- und Teeservice der Extraklasse, das nicht nur von einem der führenden Industriedesigner gestaltet wurde, sondern auch von ihm selbst in Handarbeit in kleinster Stückzahl und höchster Güte gefertigt.

Es ist das Modell "Cotswolds" von Robert Welch, gestaltet 1971. Das Service ist gestempelt für 1972. Teekanne und Kaffeekanne in Birmingham, Zucker und Milch in London.

Sowohl im ausführlichen Artikel über Robert Welch in "Designer British Silver" von Andrew + Styles, als auch im Buch von Robert Welch selbst ("Hand & Machine", wird mit dem Service geliefert) ist es erwähnt und gezeigt (siehe Bild). Eine Teekanne steht im Victoria + Albert Museum.

Nach meinen Infos (von Derek Styles persönlich) wurden aufgrund des enorm hohen Aufwands an Material und Arbeit nur eine handvoll Services gefertigt. Die Unterteile der Kannen wurden zunächst dick aus der Fläche gehämmert und einige cm hochgezogen. Das ebenfalls überdurchschnittlich dicke Oberteil wurde dann angesetzt. Zucker und Milch sind komplett getrieben.

Mindestens 1 Service ist mit Elfenbeingriffen. Bei diesem hier sind die Griffe aus verleimtem Palisander/Ebenholz. Fest und gut und nur mit vereinzelten leichten Dehnfugen. Auch die flachen Scharniere sind vom Feinsten.

Die Teekanne ist 15 cm hoch und wiegt 814 Gramm. Fassungsvermögen 1,1 Liter.       Gesamtgewicht des Service 2,1 kg. Ein Meilenstein für jede Sammlung!

5850 €



Georg Jensen SCROLL

Wie kommt denn ein Besteck von Georg Jensen aus dem 20. JH unter die Masterpieces? Wo die Firma doch eher bekannt ist für die Massenproduktion toller Designentwürfe aus den ersten Jahrzehnten des 20. JH in durchschnittlicher Qualität.

Es liegt am außergewöhnlichen Muster "Scroll" (auch SAGA genannt), gestaltet von Johan Rhode im Jahre 1927 und schon vor langer Zeit aus dem Programm genommen. Und ich glaube auch zu wissen, warum: Es war in der Produktion zu teuer! Zum einen liegt der Silberanteil bei den meisten Teilen rund 20 % über dem anderer Muster. Zum anderen ist die 3-teilige Form mit dem verm. gegossenem Mittelteil sehr aufwändig in der Fertigung. Dazu die gehämmerte Oberfläche. Da die Jensen-Bestecke im Verkauf bis auf Ausnahmen alle den gleichen Preis hatten, war mit SCROLL nichts zu verdienen.

Es handelt sich also um eine Rarität und ein sehr wertiges Besteck mit toller Haptik. Nur selten kommt es als komplettes Besteck auf den Markt. Wenn, dann praktisch nur bei den Spitzenauktonshäusern wie Christies als (i.d.R. unpolierte) Konvolute aus herrschaftlichen Häusern. Zu entsprechenden Preisen.

Ich habe auch ein paar Jahre gebraucht, um dieses komplettes Besteck für 12 Personen in einer sinnvollen Zusammenstellung mit zusätzlichen Servierteilen zu sammeln. 

Dazu kommt es in einem hochwertigen Besteckkasten in Top-Zustand und in zum Art Deco Design des Besteckes passendem elfenbeinfarbenen Piano-Lack. Es handelt sich um das Jubiläums-Modell von Carrs anläßlich des goldenen Thronjubiläums von Queen Elizabeth II. und hat innen eine entsprechende Plakette aus Sterling Silber.

In einfacheren Oberflächen kostet der Besteckkasten heute neu bis über 3000 €. https://www.cutlery.uk.com/product/cab12-st-james-holds-150-pieces

Das Besteck besteht aus 132 Teilen (11 Teile x 12 Personen). Auf dem 1. Bild von links nach rechts: 

Löffel/Messer/Gabel für Vorspeisen/Frühstück/Salat/Dessert. 

Fischmesser und -Gabel. 

Löffel/Messer/Gabel für Hauptspeisen. (Der Löffel auch für Suppen) 

Dessertlöffel / Kinderlöffel mit Kuchengabel. Tee-oder Kaffeelöffel.

Dazu die auf dem letzten Bild zu sehenden sinnvolle Servierteile: Fleischgabel, Aufschnittgabel, Buttermesser, Salatbesteck, Kuchenheber, Kuchen/Pasteten-Messer, Servierlöffel, Saucenkelle, Käsemesser, Tranchierbesteck.

Alleine die Teile aus Vollsilber bringen 5,3 kg Sterling Silber auf die Waage. Dazu Messergriffe etc.

Kaufen Sie heute eine solche Zusammenstellung bei Georg Jensen in einem weniger aufwändigen Design, dann liegend Sie mit Besteckkasten nicht weit weg von 30000 €.

18500 €



Die Museumstücke der Zukunft (teilweise schon der Gegenwart) kommen sicher u.a. von Miriam Hanid. Sehen Sie dazu in der Infothek unter "Silber ab 1837" und unter "Silber" "Schalen, Licht + Deko".



Weitere Ausnahmestücke zum Verkauf finden Sie mit meist ausführlichen Beschreibungen in den anderen Verkaufsrubriken. Hier nur ein paar Beispiele mit jeweils einem Bild zur Wiedererkennung.