Anmerkungen zu den Angeboten aus Holz.

Besteckaufbewahrung

Man muss die Aufbewahrung von Besteck nicht ritualisieren - macht aber Spaß! ;-)

Natürlich kann man auch Bestecke aus massivem Silber in der Küchenschublade lagern und jeden Tag benutzen. Dafür wurden sie ja geschaffen. Löffel und Gabeln aus Vollsilber sind von Natur aus spülmaschinengeeignet. Sie sollten dabei aber "unter sich" sein und nicht gemischt mit Metallen im Besteckkkorb stehen. Moderne Messer können auch in die Spülmaschine.
Wer aber für den Alltag ein Küchenbesteck hat und für bewußtes Speisen am Esstisch ein besonderes Silberbesteck, der kann vielleicht meine Begeisterung für edle Besteckkästen etwas nachvollziehen. Es ist einfach angenehm, so ein altes (aber sauberes) Möbel zu öffnen, das gute Besteck zu entnehmen und den Tisch zu decken. Viele reden von "Entschleunigung". Das ist gelebte Entschleunigung, die aber auch nicht wirklich länger dauert, als das Besteck aus der Küchenschublade zu holen.

Alte Besteckkästen sind meist aus Eiche, Mahagoni und Nussbaum. Selten aus Rosenholz, Coromandel oder Obstbaumholz. Meist eine Mischung aus massiven Holzplatten und Furnier.

Im 19. JH und auch noch zu Beginn des 20. war es durchaus üblich, für edle Bestecke eine individuelle Holztruhe fertigen zu lassen - mit einem slot / einer Aussparung für jedes einzelne Besteckteil. Über die Generationen hinweg kann ich mir viele Gründe denken, warum irgendwann Besteck und Truhe getrennt wurden. Nur ganz selten findet man ein komplettes Besteck in der Original-Truhe.

In die individuell angepassten Truhen passt i.d.R. kein anderes Besteck rein. Meist haben die Stoffbezüge innen auch schon schwer gelitten. Also entferne ich meistens die innere Einteilung, lasse das Holz professionell aufarbeiten und kleide alles wieder mit sauberem Stoff aus. Dadurch sind es zunächst einmal vielseitig einsetzbare Sammlerschatullen. Nun kann jeder seine eigene Einteilung u.a. für sein Besteck vornehmen. Die einzelnen Halterblöcke gibt es von ALBEC. Man kann aber auch darauf verzichten und sein Besteck einfach so in die Schubladen legen. Diese Lösung praktiziere ich mittlerweile. Ist einfacher, flexibler, günstiger - und es geht mehr rein.

Oder man rollt sie in die gezeigten blauen Anlaufschutztaschen. Dann passt ein Besteck auch in deutlich kleinere Schatullen.


Frühe Messer- und Besteckkästen ( Knife Boxes)

Messer führen ein gewisses Eigenleben (siehe dazu mehr unter "Infothek" "Besteck"). Noch ins 19. JH hinein war es durchaus üblich, Messer getrennt von den anderen Besteckteilen zu lagern. In sog. cutlery boxes, also Besteckkästen mit einer Einteilung nur für Messer.

Die gezeigten Besteckkästen stammen beide aus England, um 1770. Aus Mahagoni, sehr aufwändig mit "claw + ball"- Füßen sowie Griffen und Schloßbeschlägen aus Messing.


Qualität und Zustand

Holzkisten gibt es viele auf dem Markt, in allen Größen. Große Besteckkästen aber werden immer seltener. Ich mache wirklich "Rasterfahndung" und ein halbes Dutzend Händler in England hält Ausschau für mich. Wenn mal welche auftauchen, dann nur selten in gutem Zustand. Mal fehlen Holzteile oder Scharniere sind ausgebrochen, mal schließt der Deckel nicht mehr oder ist gleich die ganze Kiste verzogen und hat Risse. Vor allem aber sind Innenleben und Oberfläche meist ziemlich in Mitleidenschaft gezogen - "der Lack ist ab", sozusagen.

Wenn die Oberfläche nur ganz leichte Gebrauchsspuren aufweist, dann beschränke ich mich auf eine Politur und ggf. die Sanierung des Innenlebens. Bei zu vielen Macken - oder wenn die Oberfläche mal farblich verändert wurde - wird sie aufgearbeitet. Also gereinigt und professionell poliert (french polish / Schellack), damit die ursprüngliche Farbe / Holzstruktur wieder erstrahlt.

Gute Handwerker kosten Geld. Dafür bekommen Sie Antiquitäten, die fit sind für die nächsten 100 Jahre - appetitlich sauber und ohne muffigen Geruch. Nicht zu vergleichen mit den üblichen "Dachbodenfunden". Und doch sollen sie immer noch die Ausstrahlung von Antiquitäten haben!

Hier 2 Beispiele "Vorher" (links) und "Nachher" (rechts).

Dazwischen liegen jeweils einige Stunden handwerklicher Facharbeit!


Schmuckschatullen und Uhrenschatullen

Alle angebotenen Schatullen sind alte wertige Holzboxen aus Edelhölzern im besten Zustand. Professionall und schonend restauriert wenn nötig, oft neu mit Schellack bezogen. Innen sauber und fast immer neu ausgekleidet. Entweder mit einzelnen Fächern oder einer Fläche zur freien Gestaltung.

Ich spare mir an dieser Stelle großartige Ausführungen zu Holzarten u.s.w., denn besser als Daniel Lucian mit seinem wunderbaren Antique Box Guide geht es nicht. Klicken Sie einfach hier!

Nur so viel:

Meisterstücke aus Coromandel, Kingwood, Amboyna und Thuya.

Coromandel, Kingwood und Amboyna strahlen heraus aus der Menge der Edelhölzer. Nicht alle Arbeiten sind Spitzenstücke. Findet man aber ein sog. "Masterpiece", dann ist es oft aus genau diesem Holz geschnitzt. 

Coromandel (auch Makassar-Ebenholz oder Calamander genannt) ist ein sehr schweres und hartes dunkles Ebenholz aus Indien und Südostasien / Indonesien. Es hat eine schöne weiche Maserung und das rare Kernholz bildet keine Jahresringe ab. Es kam für Kleinmöbel und im Musikinstrumentebau zum Einsatz.

Kingwood stammt aus Südamerika und ist ebenfals sehr dicht, hart und schwer. Es stand nur in kleinen Mengen zur Verfügung, denn der liefernde Baum ist klein. Dieses wertvolle Holz hat eine wunderbare Maserung, die in der Sonne besonders edel leuchtet.

Amboyna, auch Andaman Padoul genannt, wächst in Teilen Ostasiens und wurde auch nur für die feinsten Stücke verwendet.

Thuya wächst im nordwestlichen Afrika. Verwendet wird das Wurzelholz.

Die berühmtesten cabinet maker machten Meisterstücke für die Ewigkeit aus diesen langlebigen Hölzern.