GEMÄLDE

Eigentlich hatte meine Frau mich nur beauftragt, ein oder 2 zusätzliche Bilder fürs Haus zu besorgen. Normalerweise nehme ich dann selbstgeschossene Fotos und lasse sie bei WhiteWall.com unter Acryl ziehen. 

Oder ich stöbere bei Lumas.de 

Aber da ich sowieso mal wieder in England war, habe ich ein paar Galerien und Museen besucht und mich dabei mit einem angenehmen Virus infiziert: Englische Aquarelle - und auch Ölbilder.

Nun bin ich ja nur Antiquitätenhändler. Silber und Holz gehören nur zu den dekorativen Künsten (Decorative Art). Nicht zu den "richtigen" Künsten (Fine Art). Und glauben Sie mir: es gibt in der sog. Kunst-Szene einige Fine Art-Händler, die spielen nicht mit den Schmuddelkindern.
Für viele macht es auch Sinn, die Kunsthandwerker nicht so nahe an sich ran zu lassen. 
Es könnte sonst womöglich auffallen, dass ihre "Fine Art" sehr oft eine Handwerk-freie Zone ist. 
Außer, man bezeichnet es als Handwerk, einen Pinsel in einen Topf Farbe zu tauchen und die Farbe dann aus 1 Meter Höhe auf Backpapier tropfen zu lassen.
Ich sehe diese "Künstler" eher als Literaten, denn jetzt müssen sie eine schöne Geschichte aufschreiben, um das "Kunstwerk" dem dummen Betrachter zu erklären.

Ein schönes Beispiel: 
1 x 1 m von einem Herrn Josef Albers aus Bottrop. Von 1966. Öl auf Masonit. Stellenweise mit Frühschwundrissen. 676000 Euro bei Lempertz im Dez 2016.

„Dank ihrer Bildaufteilung im Verhältnis 1:2:3 bleiben die Homages mit den Füßen auf dem Boden, während sie mit den Köpfen in den Himmel reichen. Das zentrale oder erste Quadrat ist wie ein Samenkorn: das Herz der Dinge, das Innerste, aus dem alles weitere herausstrahlt. Die Segmente unterhalb dieses Quadrats, die Teile von zwei oder drei größeren, nach außen strebenden Quadraten sind, verdoppeln nach rechts und links ihre Breite und verdreifachen sie nach oben hin. Bei einer Bildaufteilung mit vier Quadraten zum Beispiel, die zehn Maßeinheiten hoch und zehn breit ist, beträgt die Breite des mittleren Quadrates vier Maßeinheiten, während jedes der äußeren Quadrate auf der Unterseite eine halbe Einheit, rechts und links eine Einheit und an der Oberseite anderthalb Einheiten mißt.“

Fazit: Ja ... nee ... is klar.

Immer wieder erstaunlich, welche Beträge für sog. zeitgenössische Kunst gezahlt werden. Schauen Sie nach dem nächsten Kindergeburtstag vorsichtshalber mal in den Papierkorb.

Selbst bei der TEFAF in Maastricht, der Mutter-Messe der "Alten Meister", haben die "Zeitgenossen" die Mehrheit übernommen. Interessanter Artikel:

https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/kunstmarkt/tefaf-maastricht-messe-schliesst-vorzeitig-die-kunsthaendler-breiten-ihr-angebot-nun-online-aus/25633578.html?ticket=ST-188790-5m4VWyxckScy5kJpObue-ap3

Gut, nun sind die immer wiederkehrenden Erzengel aus dem alten Italien auch nicht wirklich mein Fall. Aber ich kann wenigstens erkennen, was es sein soll.

Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, den Preisfindungsprozess vor allem im Bereich der "modernen Kunst" für irrational zu halten. Aber irgendwann dämmerte es mir, dass dieser, ganz im Gegenteil, im höchsten Maße rational ist: 
Ein hochprofessionell gesteuertes Spiel, bei dem spekulative Gier und ein Höchstmaß an Eitelkeit auf große Mengen freien, oft illegalen, Geldes trifft.

Schnell habe ich aber auch sehr nette, kollegiale und bodenständige Händler und Sammler von "richtigen" Gemälden kennen gelernt. Die auch ihre Probleme haben mit "Farbkompositionen", "Raumexperimenten" und "Vaginalen Selbstfindungen in 3 Farben".

Einige haben ihr ganzes Leben mit Aquarellen verbracht, teilweise handelt die Familie schon in 3.Generation. Sie beraten Museen und beim Aufbau von bedeutenden Sammlungen. Von solchen Leuten lernt man (mit den richtigen Fragen) in 1 Std mehr als in 1 Jahr Kunststudium an der Uni.

Ansonsten hilft nur, das eigene Auge zu schulen durch bildergucken, bildergucken und bildergucken. Ich persönlich bevorzuge es z.B., wenn mir auf einem Landschaftsbild der Schäfer mit seinen Schafen entgegen kommt, ich also Gesichter sehe. Auch, wenn sie weiter weg sind.

Achten Sie mal drauf, wie oft Maler Figuren nur von hinten zeigen. Ist einfacher zu malen. 
Oder sie lassen - wie die "Impressionisten" - einfach ein Loch und die Leute sollen sich das Gesicht denken.

Ich mag es auch, wenn Bilder "zu Ende" gemalt werden. Wenn man auf dem Haus in der 2. Reihe auch noch die Dachziegel einzeln erkennen kann.


Und wenn Himmel und Landschaft im Hintergrund noch Struktur haben. Dort also nicht nur der Pinsel sauber gemacht wurde.

Aber auch hier habe ich die gleiche Einstellung wie bei Silber und Holz: Es gibt nur 2 Sorten von (hier:) Bildern  ...    Alles Geschmacksache!

Ich kaufe nur Bilder, die wir bei uns auch an die Wand hängen. Ich gucke nicht "wie wird der Maler denn gerade so gehandelt". Das ist sowieso alles nur eine Momentaufnahme. Und von praktisch jedem Maler gibt es Bilder von (ganz wenig Geld) ... bis (ganz viel). Künstler haben auch gute und bessere Tage. Deshalb mag man vielleicht 2 Bilder von einem Maler sehr und findet gleichzeitig Dutzende, bei denen man denkt "na ja ..."
Wenn Sie also einfach nur handwerklich anspruchsvolle Bilder aus dem 19. und frühen 20. JH zu angemessenen Preisen suchen, dann werden Sie hier vielleicht fündig. Handverlesen aus Abertausenden.

Wir mögen Jahreszeiten, auch Herbst und Winter.

Typische Landschaften und Szenen aus England / Wales / Schottland.

Grundsätzlich gegenständlich, als Pastell auch mal ein bisschen mystischer.

Es darf auch mal Maritim sein und muss nicht immer England sein.

Vor allem aber "Heile Welt". Kritisches oder Probleme kommen bei uns nicht an die Wand!


Nun muss ich noch ein bisschen technisch werden: Der Zustand!

Es ist kein Problem, ein schönes Aquarell für wenige 100 € zu finden.

(Und werden Sie erst einmal misstrauisch, wenn auch für perfekte Spitzenstücke mehr als 3500 € verlangt werden.)

Jetzt kommt aber erst einmal die Suche nach 

  • der Farbe (ausgeblichen /faded), 
  • den Verfärbungen (staining) und 
  • den Stockflecken (foxing).


Sind alle Gewitterfliegen entfernt? Klingt lustig? Alte Aquarelle ohne Gewitterfliegen unter dem Glas sind die Ausnahme! Mal einzelne, mal ganze Völker.


Ein Ölgemälde hat "nur" einen Rahmen. (Original? Restauriert? Neu?)
Ein Aquarell hat i.d.R.

  • ein Passepartout (mount):  Einfach? Doppelt? Mit Farbstreifen? Alt / sauber / neu?
  • eine Glasscheibe: Normalglas oder Museumsglas? (Kostet ca. 200 € pro qm mehr).
  • einen Rahmen: Einfach oder aufwändig? Original? Restauriert? Neu?
Gerade beim Rahmen sollte man sich klar machen, dass dieser zum Schutz des Bildes dient. Diesen Dienst hat er bei alten Bildern auch durchaus schon geleistet - und sich dabei so manche Macke eingefangen. Es ist ein ständiges Abwägen: Will ich den Original-Rahmen? Auf den Rückseiten finden sich oft Notizen und Infos zur Provenienz.

Lebe ich dann mit den Macken? Oder lasse ich den Rahmen restaurieren? Oder doch gleich das Bild neu rahmen?

Etliche Händler schreiben in Ihre Angebote sinngemäß: "Der Rahmen ist eine kostenlose Zugabe zum Bild. Für Beschädigungen wird keine Haftung übernommen." Womit sie auch schon den Transportschäden ausweichen. Aber es macht schon Sinn, ein Bild nicht nach dem Rahmen zu beurteilen und zu bewerten.

Gute Restaurateure können einiges korrigieren. Sowohl am Rahmen, auch als auch an den Bildern. Wie gesagt: GUTE Restaurateure. Profis mit Erfahrung. Keine Hobbybastler. Ob die Investiton lohnt, ist jedesmal eine Einzelfallentscheidung.

Bei Ölgemälden (auf Leinwand / Holz oder Pappe) sind die Beschädigungen meist eher mechanisch. Also Löcher und Risse in der Leinwand, abgeplatzte Farbe, Kratzer. Ist die Leinwand wellig, kann man sie meist durch den Spannrahmen wieder spannen. Auch die Reinigung von Ölbildern - also alte verdreckte Firnis entfernen und neue Firnis auftragen - bringt meist viel und kostet nicht die Welt. Auch hier gilt: FACHMANN!

Bitte beachten Sie bei Preisvergleichen, dass meine Bilder bis auf Ausnahmen "wandfertig" sind. Details stehen bei den jeweiligen Angeboten. Auch Hinweise zum Rahmen.

Eigentlich versteht es sich von selbst, aber besser, ich erwähne es noch einmal:
Bei mir bekommen Sie Originale. Keine Drucke (prints)!
Keine Kopien. Also keine "Original oil paintings" von "We-paint-your-picture" oder von Minh Thong Vu aus Quakenbrück.

Keine Bilder "in the manner of / im Stile von" oder "aus dem Umfeld von" oder "Van Gogh Nachfolger" u.ä.

Richtige Gemälde also!

Natürlich ist es erfreulich und wertsteigernd, wenn ein Bild lesbar signiert und sogar datiert ist. Gerade bei kleinen Bildern wünscht man sich aber manchmal, der Künstler hätte sich auf der Rückseite verewigt - oder zumindest kleiner. So sieht dieses schöne Aquarell leider ein bisschen aus wie eine Autogrammkarte.

Wenn ein Bild nicht signiert ist, dann kann man bei den erfolgreichen und dadurch bekannten Malern oft trotzdem eine klare Zuordnung vornehmen, auch zeitlich. Durch die Themen, die Art der Darstellung, den Pinselstrich, die benutzten Farben u.s.w. Man weiß auch meist recht viel über diese Künstler - über ihre Reisen, ihre Ausstellungen, ihre Förderer.

Hier ein Beispiel: Ein Paar unsignierte Ölgemälde aus der Familie Williams. Aus der Sammlung eines der Mitautoren des Buches - und wenn man durch das Buch blättert, dann wird einem klar: Die können nur von Edward Charles Williams sein. Und bei Christies wurde ein ähnliches Paar von ihm versteigert, auch unsigniert.

Ist im Grunde aber egal. Wenn Ihnen ein Bild gefällt und Sie den Preis für angemessen halten.

Es ist schwierig, Aquarelle mit Glasscheibe zu fotografieren. Bei Museumsglas halten sich die Reflektionen in Grenzen, aber das haben die wenigsten. Bei normalem Glas ist ein Frontalbild ganz ohne Reflektionen praktisch unmöglich.

Eine weitere Herausforderung ist ab einer bestimmten Größe der Versand. 
Man kann es drehen und wenden wie man will: Ab einer bestimmten Größe kann man nicht "normal" mit Glas versenden. Es bricht oder sprengt sogar von innen den Rahmen, wenn es geworfen wird. Und es WIRD geworfen!

Über den Transport / Lieferung und damit verbundene Kosten müssen wir also speziell bei größeren Bildern im Einzelfall sprechen. Im Gegensatz zu Silber und Holz sind die im Preis nicht drin.

Zum Schluss eine Literatur-Empfehlung:

Es gibt einige englischsprachige Literatur zum Thema "Watercolours". Fast alle sind schon älter und haben einen ganz gravierenden Nachteil: Die gezeigten Bilder sind dargestellt in Schwarz/Weiß. Außerdem haben mir die Bücher tendenziell zu viel Text über alle möglichen Details.

Aber es gibt ein sehr schönes und modernes Buch über die Viktorianische Zeit, also 1837 - 1901. Mit tollen Farbfotos, die Texte kurz und knapp und übersichtlich: Von der Art Gallery of New South Wales in Australien. Die haben eine tolle Sammlung englischer Aquarelle.

Welche Gemälde stehen zum Verkauf?

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Wie schon erwähnt, bin ich mit den Augen eines Sammlers vorgegangen bzw. mit denen meiner Frau, auf der Suche nach schönen Bildern für uns. Da liegt es in der Natur der Sache, dass ein großer Teil der gefundenen Schätzchen - zumindest momentan - nicht zum Verkauf steht. Das soll aber nicht heißen, dass hier nur die 2. Wahl angeboten wird. Das Hauptkriterium ist einfach "Kein Platz mehr!"

Ich verzichte darauf, in den Angeboten über das Leben, die Ausstellungen und Auszeichnungen der Malerinnen und Maler zu schreiben. Es ist ein leichtes, bei Wikipedia oder ähnlichen Quellen nachzulesen.