Zeitgenössische Kunst aus Silber

   

Anthony Elson   2009

 

Teedosen können auch mal so aussehen.

 Wir leben im 21. Jahrhundert.

Was wird man in 100 oder 200 Jahren sagen können über das frühe 21. Jahrhundert in Bezug auf die Silberkunst?

Silber aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert gehört heute zu den begehrtesten Sammlerstücken. Die Hugenotten, Paul de Lamerie ... Gleiches gilt für das frühe 19. Jahrhundert: Das Regency - Zeitalter mit Prinzregent George IV als Mäzen und Paul Storr als Zampano des Silberhandwerks.

Das frühe 20. JH war nicht so doll - aber da war ja auch Krieg. Und nun das frühe 21. Jahrhundert. Welche Unterschiede gibt es zu damals?

Ganz pauschal: Das Silber von Paul de Lamerie oder Paul Storr wurde benutzt - und mußte darüber hinaus auch gefallen, repräsentativ und dekorativ sein, beindruckend in seiner Qualität und Wertanmutung.

Heute muss Silber vor allem gefallen und dekorativ sein. Offensichtlich erwarten nicht alle qualitativ erstklassiges Handwerk - und manche nur eine kalte Wertanlage.

Ach ja - manches kann man auch benutzen.

Will sagen: Die Prioritäten haben sich verschoben.

Honigtopf von Graham Stewart

 Ich denke, zeitgenössisches Silber sollte Spass machen, Hingucker sein, begeistern durch das handwerkliches Geschick und die kreativen Ideen - zu Gedanken und Gesprächen anregen.

Benutzen? Sicher, die Kannen vor allem und die Schalen und Vasen kann man natürlich benutzen. Aber Hauptsache, sie vermitteln optisch und haptisch ein Erlebnis und erzählen eine Geschichte.

Silberkunst ist heran gerückt an die Kunst, die nie einen gesteigerten Gebrauchswert hatte: Bilder und Skulpturen!
Mit dem schönen Nebeneffekt, dass die besten modernen Silber-Kunstwerke für einen Bruchteil des Geldes zu haben sind wie die anderer Kunstgattungen. Vielleicht muss man sagen: noch!

Und ganz nebenbei hat sie auch noch einen hohen natürlichen Materialwert.

 2008   Miriam Hanid   London

Ein Traum aus Fine Silver / 999er Silber. Die feinste Handarbeit erschließt sich richtig beim Fotografieren.

Schale im Durchmesser 24 cm, 621 Gramm

 Was wird heute geschaffen durch Designer-Silberschmiede?

In England einiges, die Szene ist sehr rührig. Unterstützt und gefördert von der Innung / Worshipful Company of Gold and Silver und einigen engagierten Händlern und Organisationen wie der British Silver Week, kommen immer wieder (meist) junge Talente auf den - zugegebenerweise schwierigen - Markt.

Zumal sich dort schon etliche, auch international etablierte, Silberkünstler tummeln.

Zum Beispiel Miriam Hanid. Sie hat sich in wenigen Jahren einen enormen Marktwert erarbeitet. Für mich die aktuell führende Silversmith-Designerin.

www.miriamhanid.com

Den Krug "Cascade" z.B. hat die Londoner Worshipful Company of Goldsmiths für ihre Sammlung bei Ihr in Auftrag gegeben. Wenn Sie auch einen haben möchten: Wartezeit bis 1 Jahr, Preis z. Zt. 15000 Pfund.

   

Miriam Hanid

 

CASCADE

   

Sie kommt ursprünglich von der Malerei.

Das sieht man.

 

Ich habe in Ihrer Werkstatt Entwurfszeichnungen

gesehen, die waren für sich schon Kunstwerke.

  

Wer Emaille auf Silber mag, dem empfehle ich z. B. Fred Rich oder Jane Short -

wenn Sie das nötige Kleingeld haben.   

   
     
   
     

 

Handwerk ist lebendig.

Handwerkliche Qualität kann man im Silberhandwerk nicht nur mit dem Treibhammer erreichen. Auch in der Kombination mit modernen Dreh-Techniken, bis hin zur Lasertechnik. Ich persönlich bin aber recht konservativ und möchte an der Werkbank eines Silberschmiedes lieber Hämmer und Feilen sehen als eine CNC-Fräsmaschine.

Am liebsten ist mir immer noch der Treibhammer. Hier 2 der wenigen Silberkünstler, die einen ganz konsequenten Weg gehen: Ihre Schalen und Vasen werden aus einem einzigen Stück Silber getrieben - und auch für die Verzierungen kennen sie nur ein Werkzeug: den Hammer.

Der erste heißt Hiroshi Suzuki.

Er ist exklusiv unter Vertrag bei einem bedeutenden Kunsthändler. Wie oben schon gesagt: Silber ist angekommen im Kunstmarkt. Da kosten seine Vasen in 25 cm Höhe locker 30000 € und in 40 cm Höhe auch schon mal 100000 €.Warum auch nicht? Gute Glasvasen von Lalique werden auch so hoch gehandelt.

Für mehr Suzuki sehen Sie hier:

http://www.adriansassoon.com/artists/hiroshi-suzuki/#artist_works

Hiroshi Suzuki

Von ihm gelernt hat William Lee.

Er lebte einige Zeit in London, wurde mit Auszeichnungen überhäuft, schuf Werke allererster Güte - und verschwand wieder in seine Heimat Korea, wo er sich offensichtlich auch monumentalen Stücken aus Kupfer widmet. Bei youtube gibt es Videos die zeigen, wie er mit riesigen Holzhämmern noch größere Kupferschalen treibt.

Seiner Technik ist er treu geblieben.

Hier ein link zu einem Video aus seiner Londoner Schaffensperiode:

Video William Lee bei der Arbeit

Niemand hämmert so schnell und sicher wie er. Seine Stücke gehören zur feinsten Silberkunst aller Zeiten.

Jedes Stück ein Unikat und komplett aus einem einzigen Stück Silber gehämmert.

   
William Lee  

Horybyung Ice Vase

 

Neben den oben schon genannten Lee, Short und Rich ist zum Beispiel Richard Fox "aus dem Gröbsten raus".

(Ich mag diese kurzen Namen - da heißt niemand Leutheusser-Schnarrenberger)

Mit seiner Firma www.foxsilver.net spielt er in der Liga der Reichen und Schönen. Er gestaltet zum Beispiel für Bernie Ecclestone seit langem die Grand Prix Trophäen der Formel 1.

Nicht ganz so dicke, aber auch genug, um meine emails erst nach Wochen beantworten zu müssen, hat es Martyn Pugh.

2000    Martyn Pugh    Birmingham

Jahrgang 1951. Studierte u.a. 3-dimensionales Design. Der Ingenieur unter den Silberschmieden.

Der Name ORBIT für dieses Service ist gut gewählt. Der Preis liegt mittlerweile bei

über 10000 € und fast 1 Jahr Wartezeit.

Ich habe eines im Angebot. Günstiger und schneller.

 

Eine meiner Favoritinnen: Rebecca Joselyn

 (Liebe Männer, keine Kommentare jetzt!... das ist rein geschäftlich .... man soll die Jugend doch unterstützen ;-)

 Sie geht seit 10 Jahren einen ganz eigenen Weg:

Sie gestaltet nicht einfach klassische Produkte "anders", sondern sie fertigt erstmals in Silber, was in unserem Alltag bisher eher einen Wegwerf-Wert hatte.

Von pfiffigen "Kleinigkeiten" bis zu ...

... großen massiven 2-Liter-Krügen und Weinkaraffen in Bocksbeutel-Form


Viele Designer - Silberschmiede stehen noch ganz am Anfang einer vielleicht großen Karriere. Diese gilt es zu entdecken.

Ganz interessant finde ich einen jungen Mann mit Namen Phil. Er sucht noch seinen Weg. Ich versuche ihm gerade zu vermitteln, dass sich die Begriffe Kunst und Arbeit nicht unbedingt gegenseitig ausschließen.

Schau`n mer mal ...

... ah, da ist ja schon das erste Kunstwerk. Und nur knapp 8 Monate hat´s gedauert ;-)

Aber das Warten hat sich gelohnt!

Die Schale misst im Durchmesser 35 cm oben / 40 cm

in der Wölbung und wiegt 4,3 kg.

Der Tisch ist 240 lang, das zeigt die Proportionen.

 

Und die fantastischen Kelche sind auch angekommen.

Handgefertigte Weinkelche, ca. 15,5 cm hoch. jeweils ca. 240 Gramm

mit ca. 200 ml Fassungsvermögen.

Die Oberfläche wurde bewußt nicht auf Hochglanz poliert, sondern

matt belassen. Man sieht und fühlt die Hammerschläge, die Haptik

ist wunderbar angenehm - und die Oberfläche ist unempfindlich

gegen Fingerabdrücke u.a.

So, jetzt brauche ich dazu noch einen passenden Weinkelch. Bin ja noch jung, kann warten ...

 

Das Angebot für ganz moderne Stücke aus 2. Hand ist noch sehr überschaubar.

Verständlich - wer gibt schon zu Lebzeiten etwas aus der Hand, das individuell für ihn gefertigt wurde?

Auf jeden Fall gibt es heute in England eine bemerkenswerte Zahl von produzierenden Silberschmieden mit unverwechselbaren eigenen Stilen und großen handwerklichen Fähigkeiten.

Wie heißt es doch so schön:

Die Neuigkeiten von heute sind die Antiquitäten von morgen.